Der Fangorn ist, wie oben erwähnt, ein Überrest des
großen Waldes der sich einst über ganz Eriador erstreckte. Jede Pflanze (Olvar),
jeder Wasserlauf, jeder Stein und jedes Fleckchen Erde in seinen Grenzen
ist etwas einmaliges. Die Samen des Waldes wurden von Yavanna selbst
gesät.
Im dunklen und struppigen Wald spürt man das Alter und die Erinnerungen.
Von den Ents (Baumhirten) bewacht, gepflegt und behütet, nisteten sich
keine bösartigen Kreaturen in ihm ein, wie es zum Beispiel im Düsterwald
der Fall war.
Viele aus den Völkern Mittelerdes (Ents und Huorns
ausgeschlossen) erzählen leider viele grausame Märchen über den Wald. Das
zeigt auch ein Gespräch in Lórien. Hier ein kleiner Ausschnitt, was
Celeborn zu den Gefährten sagt und Boromir darauf antwortet:
Ausschnitt 1
„Boromir und jeder, der mit ihm nach Minas Tirith
gehen will, wird gut daran tun, den Groß en Strom vor dem Rauros-Fall zu
verlassen und die Entwasser oberhalb der Sümpfe zu überqueren. Doch sollte
er diesem Fluss nicht zu weit aufwärts folgen, weil er sonst in Gefahr
läuft, in Fangorns Wald zu geraten. Das ist ein seltsames Land, über das
heut wenig bekannt ist. Doch gewiss bedarf es für Boromir und Aragorn
dieser Warnung nicht.“
„Freilich haben wir in Minas Tirith von Fangorn gehört“, sagte Boromir,
„doch was mir zu Ohren gekommen ist, scheinen mir zumeist Märchen zu sein,
wie sie die alten Weiber den Kindern erzählen. Alles Land nördlich von
Rohan liegt für uns heute so fern, dass sich die Phantasie dort frei
ergehen kann. In alten Zeiten lag der Fangorn an den Grenzen unseres
Reiches; doch nun ist seit vielen Menschenaltern niemand von uns mehr dort
gewesen, um die Legenden zu prüfen, die aus fernen Jahren auf uns gekommen
sind.
Ich selbst bin einige Male in Rohan gewesen, habe es aber nie nach Norden
durchquert. ... . Nach dieser Reise und nach den Wegen, die ich nun auf
unserer Fahrt zurückgelegt habe, sehe ich keinen Grund zu bezweifeln, dass
ich einen Weg durch Rohan und, wenn nötig auch durch Fangorn finden
werde.“
„Dann muss ich nichts weiter sagen“, sagte Celeborn. „Doch verachte mir
nicht die Überlieferung aus den fernen Jahren; denn oft trifft es sich so,
dass der alten Weiber Gedächtnis noch Kenntnis von manchem bewahrt, das
einst die Weisen wissenswertes fanden.“
Oder was Gimli sprach bevor sie den Wald des Fangorn
betreten:
Ausschnitt 2
„Ich weiß nicht was mich mehr schreckt, Fangorn
oder der Gedanke an den Fußmarsch durch ganz Rohan“, sagte Gimli.
Doch der Elb Legolas erkannte das der Wald nicht böse
ist sondern nur wütend und wachsam und das es nur sehr wenige Stellen im
Fangorn gibt, wo die Bäume ein dunkles Herz haben.
Ausschnitt 3
„Dann müssen wir wohl auch hinein“, sagte Gimli.
„ Aber Fangorn sieht nicht sehr einladend aus, und wir wurden vor ihm
gewarnt (siehe Ausschnitt 1). Ich wünschte unsere Jagd hätte uns woanders
hingeführt!“
„ Was immer man von ihm erzählen mag, ich habe nicht das Gefühl, dass
dieser Wald bösartig ist“, sagte Legolas. ... . „Nein, bös ist er nicht;
oder, wenn etwas darin bös ist, dann weit von hier. Nur ein sehr schwaches
Echo von dunklen Stellen höre ich, wo die Bäume ein sehr schwarzes Herz
haben. Keine Tücke ist hier in der Nähe, wohl aber Wut und Wachsamkeit.“
„Na, auf mich kann er keine Wut haben“, sagte Gimli. „ Ich habe ihm nichts
getan.“
„Nur gut so!“ sagte Legolas. „Dennoch, ihm ist etwas angetan worden. Da
drinnen geschieht etwas, oder es bahnt sich an. Spürt ihr nicht die
Spannung in der Luft? Mir nimmt es den Atem.“
„ Stickig ist die Luft“, sagte der Zwerg. „Dieser Wald ist lichter als der
Düsterwald, aber er riecht morsch und modrig.“
„Er ist alt, uralt“, sagte der Elb. „So alt, dass ich mich fast wieder
jung fühle, so jung wie noch nie, seit ich mit Jugendlichen wie euch
unterwegs bin. Alt ist er und voller Erinnerungen. Glücklich wäre ich
gewesen in Tagen des Friedens hierher zu kommen.“
Während des Ringkrieges ist dem Fangornwald großen
Schaden zugefügt worden. Die Orks fällten, von Saruman beauftragt, viele
Bäume um die Öfen Isengards damit zu erhitzen. Doch nach der „Zerstörung
Isengards“ legten sie dort einen neuen Wald, den Wachwald, an und
benannten Isengard um in den Hain von Orthanc. Danach bepflanzten
auch die Ents wieder das von Saruman gerodete Gebiet des Fangorns und so
hatte der Fangorn wieder seine alte Größe.
Obwohl alle Völker glauben den Valar so fern zu sein
(die Elben etwas ausgeschlossen; hauptsächlich die Menschen), sind sie
ihnen doch so nah z.B. durch den Wald des Fangorns in dem Yavannas Liebe
steckt.
Solche Orte gibt es sicherlich noch viele in Mittelerde, auch wenn sie
noch so klein sind. Man muss sie nur erkennen bzw. finden.