
Gandalf, der Graue Pilger
(Autor und Copyrights:
Taurwen; zur Diskussion im
Forum)
Gandalfs Namen
"Viele
Namen habe ich in vielen Ländern. Mithrandir heiße ich bei den Elben,
Tharkûn bei den Zwergen; Olórin war ich in meiner Jugend im Westen, der
vergessen ist, im Süden Incánus, im Norden Gandalf; in den Osten gehe ich
nicht."
(Passage in "Die zwei Türme" 4,
Kapitel 5)
Olórin:
Olórin war ein Hochelben-Name, jener der ihm in Valinor (das hier mit
"Westen" gemeint ist) gegeben worden war; Olos heißt soviel wie Traum,
aber nicht jener der Nacht, sondern viel mehr wie Vision,
Einbildungskraft, angewendet nur auf schöne Gebilde, nie auf Gegenstände
der Täuschung oder des Machtmissbrauchs.
Gandalf: (Westron)
So hieß er bei den Menschen: "Elb des Stabes", weil er fast immer zu Fuß
auf seinen Stab gestützt unterwegs war und man ihn für einen Elben hielt.
"Norden" bezieht sich auf den Nordwesten Mittelerdes, dessen Menschen
nicht unter dem Einfluss Saurons standen. Er war dort auch für etwas
Besonderes bekannt: denn eine besondere Liebe Gandalfs galt dem Feuer,
seine Feuerwerke waren unter anderem auch bei den Hobbits sehr bekannt und
beliebt und veranlassten Sam sogar, eine Strophe darüber zur Erinnerung an
den grauen Wanderer nach dessen Sturz in die Tiefen Morias zu ersinnen.
Tolkien
schreibt in den NaME über den Namen:
"Es ist tatsächlich ein altnordischer Name (...), der von mir verwendet
wurde, weil er gandr (ein Stab, insbesondere Zauberstab) zu enthalten
scheint, so dass man annehmen könnte, dass er 'Elbengeschöpf mit einem (Zauber)stab'
bedeutet. Gandalf war kein Elbe, doch er wurde von den Menschen mit ihnen
in Verbindung gebracht..."
Mithrandir:
Mithrandir war der Name Gandalfs bei den Elben. Er kommt aus dem Sindarin,
bedeutet nichts anderes als "grauer Wanderer" und bezog sich auf Kleidung
und Lebensweise. Auch Männer von Stand in Gondor nannten ihn so, denn
Männer wie Denethor und Faramir kannten und sprachen diese Sprache.
Tharkûn:
So nannten ihn die Zwerge. Dieser Name bezieht sich wiederum auf seinen
Stab, denn übersetzt bedeutet es einfach "Stabmann".
Incánus:
So hieß er bei den Haradrim (Südvolk, das später weitgehend unter
Saurons
Einfluss stand). Die oben zitierte Passage ist die einzige, in der
angedeutet wird, dass Gandalf auch weiter in den Süden gekommen sein
musste! In NaME gibt es Spekulationen, dass auch das ursprünglich ein
Hochelbenname gewesen sein musste!
Gandalf Graumantel nannten ihn die Rohirrim.
'Weißer Reiter' wurde er nach seiner Rückkehr während des
Ringkrieges manchmal genannt
Auch einige "Schimpfnamen" wurden ihm verliehen wie Sturmkrähe
(Théoden), Láthspell (Gríma), Grauer Narr (Denethor)
Über das Wesen Gandalfs und seine
Aufgabe
Im Herrn der Ringe (und
natürlich auch im Hobbit) ist Gandalf eine fesselnde, faszinierende
Gestalt. Man erfährt vieles über seine Handlungen, aber vergleichsweise
wenig über ihn selbst. Wesentlich ergiebiger (und für alle
Gandalf-Liebhaber ohne Einschränkung zu empfehlen) sind da schon die
Nachrichten aus Mittelerde (in Zukunft als NaME abgekürzt), Teil IV, 2 Die
Istari
Nach außen hin schien Gandalf keinesfalls so weise und mächtig wie ein
Leser des HdR oder des Hobbit annehmen würde:
"kleiner als die übrigen und älter aussehend, grauhaarig und grau gekleidet
und auf einen Stab gestützt."
Círdan hingegen ahnte von
Anfang an, was wirklich in ihm steckte an Klugheit und übergab ihm Narya,
den Roten Ring der Macht. Gandalf nahm den Ring, trug ihn aber nicht
offen. Das wird deutlich in HdR ganz am Ende, als Frodo sich aufmacht nach
Westen:
"...und als er
sich umwandte und ihnen entgegenkam, sah Frodo, dass Gandalf nun offen den
dritten Ring am Finger trug, Narya den Großen, und der Stein daran glühte
rot wie Feuer."
Dennoch kam
Saruman eines
Tages dahinter. Er neidete Gandalf den Ring und es heißt, das sei der
Anfang des versteckten Grolls gewesen, den Saruman gegen Gandalf hegte.
Saruman war von jeher sehr an den Ringen der Macht interessiert und
misstraute Gandalf bereits sehr früh. Vermutlich konnte er sich nicht
vorstellen, dass Gandalf nicht an Macht für sich selbst und eigene Zwecke
interessiert war.
Gandalf war von allen Istari der einzige wirklich Getreue, der seiner
Aufgabe nachkam, während andere von Mittelerde selbst oder der Gier nach
Macht von ihrem Weg abgebracht wurden.
Von allen Istari war er der den Elben am engsten Verbundene. In
handschriftlichen Notizen Tolkiens findet sich der Hinweis, dass es Manwë
war, der wollte, dass Olórin mit nach Mittelerde ging, mit der Begründung,
weil er, Gandalf, die (in Valinor) verbliebenen Eldar liebte. Er lebte
dort in der Gestalt eines der ihren und gab ihnen weise Ratschlüsse ein,
ohne dass sie wussten von wem sie kamen (wer ihm zuhörte, in dem erwachten
Ideen, wie Arda noch schöner werden könnte).
Gandalf war keinesfalls so begeistert von Manwës Idee und hielt sich für
nicht stark genug für seine Aufgabe. Manwë jedoch befahl es ihm, gerade
deswegen. Und tatsächlich stellte sich, wie wir alle wissen, Gandalf
schließlich als der Einzige heraus, der wirklich seiner Aufgabe gewachsen
war. In den NaME wird dieser Entsendung Gandalfs durch Manwë soviel
Bedeutung zugemessen, dass es dort sogar als unmittelbares Eingreifen
Manwës in die Geschicke Mittelerdes betrachtet wird:
"Es ist verständlich, dass die Boten aus Valinor kamen (...) und unter
ihnen Gandalf, der sich als derjenige erwies, der den Angriff und die
Verteidigung lenkte und ordnete."
Als ich bei meinen
Recherchen auf diese Stelle stieß, bekam die Sache mit Gandalf noch einmal
ein ganz anderes Gewicht. Wieder einmal werde ich den Herrn der Ringe mit
neuen Augen lesen können!
Als sich der Schatten des Bösen in Mittelerde erneut erhob, sollen viele
sogar geglaubt haben, dass in Gandalf ein allerletztes Mal Manwë selbst
erschienen sei, bevor er sich für immer auf den Taniquetil zurückzog, ein
Irrtum, wie Tolkien vermuten lässt:
"Schickte er zur Niederwerfung Saurons denn nicht einen geringeren (aber
mächtigen) Geist aus dem engelsgleichen Volk, einen, der anfangs
zweifellos Sauron an Alter und Rang gleichkam, und keinen anderen? Olórin
war sein Name. Doch von Olórin werden wir niemals mehr wissen als das, was
er in der Gestalt Gandalfs enthüllte."
Falls ihr euch über die
Art wundert wie hier der 'Erfinder' Gandalfs schreibt, dass 'wir niemals
mehr über ihn wissen werden, als....': Tolkien spricht hier wie so oft von
seiner Mythologie wie von tatsächlichen Ereignissen weit zurück in einer
anderen Zeit und einer anderen Welt, er sieht sich hier selbst als
Beobachter und nicht als Schöpfer des Ganzen!
Gandalf in Mittelerde
Gandalf war der letzte
der Istari, der nach Mittelerde kam, wenn man den NaME glaubt. Im
Silmarillion liest es sich im Kapitel 'von den Ringen der Macht' nicht
ganz so eindeutig. Das Datum von Gandalfs Ankunft in Mittelerde ist in der
Tat nicht genau festzulegen, doch es war um die Zeit, als der Schatten
sich wieder bemerkbar machte. In der 'Aufzählung der Jahre' heißt es, er
erschien zu Beginn des 11. Jahrhunderts des Dritten Zeitalters im Westen.
Gandalf hatte weder festen Wohnsitz noch Besitz und war ständig unterwegs,
zu helfen wo Hilfe nötig war. Sein Geist wird als lebhaft und hellwach
beschrieben, sein Charakter als etwas jähzornig, was wir auch im HdR hier
und da erfahren. Sein graues weites Gewand war eine gute Tarnung für das
innere Feuer, das Gandalf in sich trug. Kaum jemand vermutete etwas davon,
wenn er den gemütlichen, mit Vorliebe Pfeifenkraut rauchenden grauen
Pilger sah.
Gandalf mochte Menschen schlichten Gemüts und verachtete sie nicht, nur
Torheit konnte ihn bisweilen auf die Palme bringen. Nichts was er machte
tat er für sich, seinen Ruf oder Ruhm und gerade deshalb war er überall
geliebt von allen, die gleichen Charakters waren.
Die Größe seiner Macht zeigte er erst gegen Sauron, und die Hobbits
dürften auf der Brücke von Khazad-dûm nicht schlecht gestaunt haben über
die ungeheure Kraft, die ihrem grauen Gandalf innewohnte.
Aus dem Hobbit wissen wir, dass Gandalf indirekt daran beteiligt war, dass
Bilbo den Ring fand. Er brachte
Bilbo dazu. die Zwerge zu begleiten, und
wusste dass das aus irgendwelchen Gründen sehr wichtig war – Gründen, die
selbst ihm erst viel später zu Bewusstsein kamen (NaME, 'Die Fahrt zum
Erebor`').
Instinktiv wusste er um die verborgene Stärke jenes kleinen Volkes aus dem
Auenland, das in seiner absoluten Bescheidenheit und Genügsamkeit als
einziges die Voraussetzung zu haben schien, dem Ring wenigstens
einigermaßen widerstehen zu können (was durch die Tatsache, dass
Bilbo
nahezu freiwillig den Ring an Frodo weitergab, bestätigt wurde). Die NaME
weben hier einen Schicksalsfaden, der Hobbit und HdR unsichtbar, aber
untrennbar miteinander verbindet: mit dem unverheirateten, ungebundenen
und für die Fahrt zum Erebor prädestinierten Hobbit
Bilbo Beutlin, den
Gandalf unter Aufbietung all seiner Überredungskünste mit den Zwergen auf
die Wanderschaft schickt, und der nicht weniger schicksalshaft den für die
Last des Ringträgers geradezu geschaffenen Waisen Frodo Beutlin aufnehmen
sollte.
Gandalf findet heraus, was es mit dem Ring auf sich hat, er ist dafür
verantwortlich, dass Frodo sich auf seine schicksalshafte Reise begibt. Er
ist Elronds wichtigster Ratgeber in dieser Zeit, der einzige, der um den
Verrat Sarumans weiß, und wird einer der neun Gefährten. In Khazad-dûm
fällt er schließlich im Kampf gegen den Balrog (der von der 'Machtstufe'
her Gandalf in etwa entsprochen haben müsste... nur eben auf der anderen,
dunklen Seite).
Nachdem er zurückgesandt war wurde seine Macht und sein wahres Wesen für
andere sehr viel sichtbarer:
"nunmehr in Weiß gekleidet, und eine strahlende Flamme ... (doch noch
verhüllt, außer in großer Not)"
Keine Waffe konnte ihm zu
diesem Zeitpunkt mehr etwas anhaben. Hervorstechende und für den weiteren
Verlauf bedeutende Taten danach waren die Befreiung Théodens aus dem Bann
Sarumans, seine Tätigkeit als Ratgeber Rohans und Gondors, der Einsatz
seiner ihm innewohnenden Kraft, um den Nazgûlfürsten aufzuhalten, und der
Einsatz seines Gespürs für den richtigen Moment, Sauron abzulenken.
Nach dem Ringkrieg verschwand Gandalf mit Bilbo und
Frodo für immer über
das Meer.
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