
Interview mit Hansi
Kürsch
Mit Alben wie "Nightfall in Middle
Earth" und Songs wie "Lord Of The Rings" und "War Of Wrath" gehören Blind
Guardian zur Garde der Künstler, die sich von Tolkiens Epos inspiriert
zeigen. Besonders Sänger und Sprachrohr Hansi Kürsch ist von der
fantastischen Geschichte um den mystischen Ring fasziniert. In einem
Interview mit der Zeitschrift "Metal Heart" erzählt er, wann er dem Herr
der Ringe zum ersten Mal begegnet ist und welchen Einfluss dieser heute
auf ihn hat.
Die Befragung fand nach dem ersten Teil
der Filmtrilogie und vor Erscheinen der dazugehörigen DVD statt.
Metal
Heart:
Wie bist du zum ersten Mal mit Tolkiens Trilogie in Berührung gekommen?
Hansi Kürsch:
Mit 12 drückte ich die Schulbank und als es an die Pflichtlektüren ging,
hat ein Klassenkamerad den kleinen Hobbit von Tolkien vorgeschlagen. Auf
das Buch hatte ich aber absolut keine Lust, habe es verhemmt
abgeschmettert und stattdessen die Lektüre des Pseudosozialdramas
Rolltreppe abwärts vorgeschlagen, für die 12 jährige Zielgruppe wirklich
die optimale Lektüre (lacht). da war ich eben grad in meiner
Sozialkritischen Phase (lacht). Doch der Titel der kleine Hobbit ging mir
von da an nicht mehr aus dem Kopf. Ein Freund meiner Schwester hatte das
Buch und hat es mir dann ausgeliehen und ich las es. Und was soll ich
sagen, mein Desinteresse war wie weggewischt, ich war tief beeindruckt.
Der Titel der Herr der Ringe war mir da zwar schon ein Begriff doch ich
wusste nicht das es zwischen den beiden Geschichten einen Zusammenhang
gibt. Als ich das dann erfuhr, musste das Buch sofort her, ich war schon
von seinen über 1000 Seiten beeindruckt und sein Inhalt beeindruckte mich
noch viel mehr. Und seitdem war es bei mir dann so wie mit den guten alten
Schallplatten. Wann immer ich irgendwo in einem einschlägigem Geschäft
war, schaute ich mich nach diversen Verschiedenen Ausgaben um.
Normalerweise braucht man ja nur eine Ausgabe von einem Buch, doch wenn
man genauso Fan und verrückt ist wie ich, dann reicht "nur" eine Ausgabe
eben nicht.
Metal Heart:
Wie weit geht dein Sammelwahn? Wie viele verschieden Ausgaben besitzt du?
Hansi Kürsch:
Ohne jetzt hundertprozentig sicher zu sein, 16 oder 17, da sind natürlich
auch so welche dabei die ich nicht lesen kann (lacht). Japanische,
schwedische, portugiesische und ich glaube eine russische. Von deutschen
Ausgaben müsste ich so 6 oder 7 verschiedene besitzen.
Metal Heart:
Der kleine Hobbit ist, wenn man so will, die Vorgeschichte zum Herrn der
Ringe. Im welchem Verhältnis zum eigenem Roman steht er für dich?
Hansi Kürsch:
Ich hoffe nur das sich eines Tages, am besten Peter Jackson, daran macht
auch diese Geschichte zu verfilmen. Sie ist in der Erzählweise ein wenig
märchenhafter als der Herr der Ringe. Der kleine Hobbit ist eine
Geschichte, die ich ohne Bedenken und Probleme als Tolkien Einstieg auch
Jugendlichen empfehlen kann. Da kann man eine gute Zeit mit einer schönen,
für jeden nachvollziehbaren Geschichte verbringen. Bei der Herr der Ringe
ist es ja so, dass man viel Zeit mitbringen und auf Detailverliebtheit
bedacht sein muss, um vollständigen Zugang auf das Buch zu bekommen und
darauf hundertprozentig abzufahren.
Metal Heart:
Stichwort Peter Jackson, aus deiner vorherigen Aussage zu schließen hältst
du den neuseeländischen Filmemacher wohl für eine gute Wahl um Tolkiens
Werk für die Leinwand zu adaptieren?
Hansi Kürsch:
Ich kenne natürlich seine Splatterfilmvergangenheit, ich kenne aber auch
seinen etwas "zivileren" Film "Frighteners" mit Michael J. Fox in der
Hauptrolle. Als ich zum ersten Mal hörte, dass Jackson mein absolutes
Lieblingsbuch verfilmen soll, hielt ich das für eine Ente und konnte mir
nicht vorstellen, dass ein solches Unternehmen überhaupt realisierbar sein
könnte.
Metal Heart:
Wenn überhaupt welchem Filmemacher hättest du die Bewältigung einer so
komplexen Aufgabe zugetraut? Steven Spielberg etwa?
Hansi Kürsch:
Am ehesten wohl George Lucas, der ist wohl mit Star Wars etwas
vorbelastet, aber er hat mit Willow, einen meiner Meinung nach besten
Fantasy Filme aller Zeiten gedreht, in dem die Problematik, der
Darstellung der kleinen Menschen sehr gut gelöst worden ist. Spielberg
wäre natürlich auch eine Lösung gewesen, aber Lucas und Spielberg stehen
doch ein wenig für Hollywood-Kitsch. Jackson war eine in der Tat eine
kongeniale Wahl. Alleine einige seiner Landschaftsaufnahmen sind
unbezahlbar und es ist für uns Europäer unvorstellbar, das er auf der
Insel Neuseeland so viele Locations vorfand die dem Ambiente und Flair des
Buches entsprechen.
Metal Heart:
Stichwort Schauspieler, Elijah Wood als Frodo Baggins, Sir Ian McKellen
als Zauberer Gandalf oder Christopher Lee als Saruman, sind die Charaktere
gut besetzt worden?
Hansi Kürsch:
Das Aussehen der Charaktere ist bereits von einigen guten englischen und
amerikanischen Künstlern in den jeweiligen Ausgaben der Bücher oder Comics
dargestellt worden. Es gab auch schon den Zeichentrickfilm von Ralph
Bakshi, in dem die Protagonisten quasi vorgezeichnet wurden. Und es wird
im Buch - zum Teil zumindest - ziemlich gut beschrieben, in welche
Richtung die Figuren tendieren. Mein eigenes Empfinden und auch das
einiger Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, sieht so aus, dass
die Charaktere sehr gut besetzt worden sind. Peter Jackson und seine
Mitarbeiter haben meiner Meinung nach eine Art Morphing durchgeführt und
eine gesunde Mixtur daraus gebildet, wie die einzelnen Charaktere von
diversen Künstlern in der Vergangenheit dargestellt worden sind.
Metal Heart:
Die von dir erwähnte Zeichentrickversion von der Herr der Ringe aus dem
Jahre 1977 ist seinerzeit nicht gut bei der Fangemeinde angekommen.
Mochtest du Bakshis Visionen?
Hansi Kürsch:
Ich fand es schade das Bakshi keinen zweiten Teil mehr gemacht hat oder
machen konnte. Seine Idee, Menschen in dem Film sozusagen einzufärben und
wie Zeichentrick Figuren aussehen zu lassen, fand ich im Grunde genommen
genial. Da sind einige Ansätze dabei, die so richtig groß sind. Peter S.
Beagle hat damals zusammen mit Chris Conkling die Story gut ins Drehbuch
hinübergerettet. Beagle ist bekanntlich der Autor von Das letzte Einhorn
und hat bei der Adaption von Tolkiens Roman ganze Arbeit geleistet.
Jackson hat den Trickfilm sicherlich gesehen, denn er hat seinen Film
stark an ihn gehalten, obwohl er zum Beispiel den Zwist der beiden
Zauberer Gandalf und Saruman noch wesentlich stärker herausgekehrt hat.
Metal Heart:
Tolkiens Erzählung bleibt teilweise fast stehen, es gibt
Handlungsleerläufe, die zwar zur Vertiefung der Weltordnung dienen, Die
hat Jackson im Film fast komplett außen vor gelassen.
Hansi Kürsch:
Das war wohl sozusagen der Preis an Hollywood. Der Film war nicht billig
man wollte mit ihm möglichst viele Zuschauer erreichen. Nicht nur die
Insider. Es war mir fast klar das die Handlung gestrafft wird und dass
dadurch ein höheres Tempo erreicht wird und sämtliche Stillleben
weggelassen werden. Wenn man sich das Buch Der Herr der Ringe genau
vornimmt, muss man ganz klar sagen, dass die ersten 50-60 Seiten an und
für sich nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben. Da geht es um
Details, da geht es um Hobbitkunde. All das wurde im Film allenfalls in
kleinen Details oder Gesprächen abgehandelt, und das war vollkommen in
Ordnung so.
Metal Heart:
Die Gemeinde freut sich schon sehr auf die neue DVD, doch noch mehr auf
den 2ten Teil "Die Zwei Türme", der im Dezember in Deutschland anlaufen
wird. Wie sieht es diesbezüglich bei dir aus?
Hansi Kürsch:
Meine Erwartungshaltung diesbezüglich ist sehr groß. Das erste Buch ist
nämlich das langweiligste, erst in diesem 2ten Teil knallt es so richtig.
Ich finde ihn auch erheblich stärker als den dritten Teil. Auch deswegen
bin ich auf Jacksons Verfilmung des dritten Teils sehr gespannt. Mal
sehen, ob Jackson die Geschichte weiterspinnt oder nach dem Ende der
eigentlichen Story einfach Schluss macht und alle zufrieden und froh nach
Hause gehen. Aber der 2te Teil zumindest in Buchform der stärkste: sehr
dunkel, sehr interessant. Ähnlich wie bei den alten Star Wars Filmen. Da
fand ich den zweiten Teil auch am besten. Dort war es doch sehr
beeindruckend zu sehen, wie das Gefühl der Macht aufkommt, die die dunkle
Seite hat. So ähnlich ist es auch mit der Herr Der Ringe - Die Zwei Türme.
Die Geschichte ist interessanter und ergreifender als die der beiden
anderen Teile.
Metal Heart:
Wirst du wenn der Film anläuft, ein besonderes Ritual vollführen?
Hansi Kürsch:
Du meinst, vor dem Kino übernachten, in dem der Film anlaufen wir? Nee,
also ganz so weit geht meine Liebe auch wieder nicht. An dem Tag an dem
der Film in Deutschland anlaufen wird, sind wir mit der Band noch in
Nordamerkia auf Tour, oder wir kommen gerade zurück. Ich werde irgendwann
- mit meiner Frau - ins Kino gehen, mir einen guten Platz sichern und nur
noch auf Jacksons Visionen gespannt sein. Und ein gewisses Ritual wird es
doch geben: Ohne eine Cola, Popcorn und Tacco Chips kann ich mir den
Kinobesuch nicht so richtig vorstellen! Erst in dieser Einheit stimmt für
mich das Kinoerlebnis. Aber am ersten Tag muss ich nicht gleich unbedingt
rein. Das kann ich dann grade noch so erwarten.
Nikolas Krofia von Metal
Heart
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