
Numek, der Elb - 2. Teil: Die Drei Könige
FanFic einiger Mitglieder des Tolkienboards frei nach den
Geschichten von J.R.R. Tolkien.
Seite 5
Ein Aufstöhnen war zu hören und
dann ein ohrenbetäubender Aufschrei. Andavar hatte begriffen. Seregthalion
ging langsam zu der Kugel und hob sie auf. Dann sah er Numek an und
streckte die Hand nach der Kugel aus. Doch noch bevor er sie aufheben
konnte, bemerkte er aus den Augenwinkeln eine huschende Bewegung an ihm
vorbeigleiten. Seregthalion sah, wie Andavar, der ohne seine Kugel nun
wieder sichtbar war, auf Numek zustürzte. Er hielt etwas in der Hand, das
noch im letzten Licht des Tages aufblinkte - es war der Dolch, den Andavar
Numek zum Töten des Königs gegeben hatte. Sofort setzte Seregthalion ohne
nachzudenken, nur mit einem stumm geschrienen „Nein!“ zum Spurt an. Da
Andavar durch die Einwirkung der Kugel noch geschwächt war, gelang es
Seregthalion nur Sekunden vor ihm Numek zu erreichen und wurde an Stelle
seines besten Freundes von der Klinge durchbohrt. Andavar zerfiel fast im
gleichen Moment zu Staub, als hätte er nie existiert, so wie auch seine
Magie.
Diese Szenerie erlebte Numek wie in Zeitlupe, quälend langsam. Völlige
Stille umschloss ihn, nicht einmal die Kampfgeräusche, die in diesem
Augenblick anschwollen und nun auch in der Festung zu hören waren, drangen
in sein Bewusstsein. Schon wieder war ein guter Freund gestorben um ihn zu
retten. Seregthalion hatte seinem Namen alle Ehre gemacht, er ist wahrhaft
furchtlosen Blutes gewesen.
„Wieso hast du das getan? Sag, Seregthalion.“, fragte Numek traurig.
Seregthalion war auf den Boden gesunken und Numek hielt ihm den Kopf.
Der Dolch steckte mitten im Herzen. Er kämpfte gegen den Schmerz an und
sein
Atem ging schwer, während das Blut weiter aus der Wunde floss. Mit jedem
Tropfen Blut, den Seregthalion verlor, wich das Leben immer mehr aus ihm.
Langsam wurde er bleich.
Numek konnte nichts tun für ihn.
Kaum hörbar antwortete Seregthalion: „Weil doch jemand von königlichem
Blute regieren muss.“ Seregthalion lächelte und musste husten.
„Königlichem Blute? Aber das kann doch nicht sein? Meine Eltern waren
dochnur einfache Leute.“
Numek war wieder verstört und erschöpft, wenngleich er keine große
körperliche Anstrengung gehabt hatte, aber die Angst nahm ihm alle Kraft.
Die Wachen standen mit respektvollem Abstand neben den beiden Elben.
„Doch Numek, mein König.“, sagte Seregthalion und als er für immer
einschlief, hatte er ein zufriedenes Gesicht. Numek stand auf und weinte
nun untröstlich über seinem Retter gebeugt. Er schloss Seregthalions Augen
und bettete ihn auf dem Boden und zog den Dolch aus seiner Brust.
Einer der Wachen hatte inzwischen Die Silberdrahtkugel aufgenommen und
näher betrachtet. Seine Augen weiteten sich vor Erstaunen und er winkte
die andere Wache zu sich, dieser schien genauso sprachlos bei dem Anblick
der Kugel zu sein. Doch wie Numek gleich erfahren sollte, waren sich nicht
so entzückt über den Anblick der Kugel, sondern vielmehr über deren
Inhalt, die Blattbrosche.
„Du, Elb! Weißt du, wessen Brosche das hier in der Kugel ist?“, sprach die
erste Wache Numek an.
Ohne auch nur den Blick von Seregthalion abzuwenden, erwiderte er: „Diese
Brosche hat mir meine Mutter gegeben, bevor ich meine Aufgabe angetreten
habe.“
„Sag, wo wohnst du?“ fragte die Wache weiter, worauf Numek ihmantwortete:
„ Zusammen mit meinem Eltern, meiner Schwester Naniwen und auch einst
meinem Bruder Kulak, lebe ich unten in Merkta.“
Schmerz durchdrang ihn abermals, als er den Namen seines toten Bruders
laut aussprach, doch auch ein wenig Genugtuung, denn er hatte die Aufgabe
seines Bruders beendet. Bei diesem Gedanken schien ihn jedoch wieder Leben
zu durchfließen und er erhob sich.
„Ihr seid Numek! Der neue und gerechte König!“ , sagte die Wache
ehrfurchtsvoll, während sie die Köpfe vor ihm verneigten.
„Nein, ihr müsst euch irren. Mein Vater ist nur ein geschickter
Kunsthandwerker.“ , widersprach er ihnen.
„Euer Pflegevater, ja. Aber als der machtgierige Andavar vor vielen Jahren
den König, Euren Vater, ermorden ließ und den Thron an sich riss,
vertraute die Königin ihr Neugeborenes einer Pflegefamilie in Merkta an
und gab ihm als kennzeichnen das Blatt als Wappensymbol in Form einer
Brosche mit. Andavar wurde von einem mutigen Elben bezwungen, der jedoch
später ein ebenso schlechter König wurde. Jedoch war Andavar ein mächtiger
Zauberer, der nur durch die Ankunft des rechtmäßigen Königs besiegt werden
konnte, oder wenn er in den Besitz eines Stückchens von diesem käme, auch
wieder die Macht erhalten könnte.“
Überwältigt von dieser neuen Nachricht, betrat Numek den Balkon durch ein
Fenster hinter dem Schreibtisch um frische Luft zu schnappen und
nachzudenken. Doch als er auf die Wiesen vor den Toren der Festung
schaute, sah er, dass hunderte Gesichter zu ihm aufschauten. Elben und
Zwerge. Manche hatten die Bögen oder Schwerter, mit denen sie sich bis vor
kurzem noch bekämpft hatten, noch in der Hand und Blut tropfte von
einigen. Auch leblose Körper waren zu sehen. Numek sah traurig in die
abgekämpften und verwirrten Gesichter.
Er hob die Hand mit der Blattbrosche in die Höhe, als sie von den
Untenstehenden gesehen wurde, brach vereinzelt erst leiser, dann immer
lauter werdender Jubel aus. Elben und Zwerge freuten sich und trauerten
zugleich um den Tod einiger ihrer Kameraden.
„König Numek, König Numek ... !“, waren laute Rufe zu hören und als Numek
in die Luft sah, erblickte er die Adler, die sich langsam auf den Zinnen
des Palastes niederließen.
Eine neue, nie wahrgenommene Stärke durchdrang Numek und in seinem Inneren
wurde die Gewissheit mächtig, dass er nun König war und das Land in eine
neue Ära führen sollte. Und das wollte er wahrhaft tun!
Seine Erfahrungen machten Numek zu einem weisen König, der seinem Land
viele Jahre des Friedens bescherte und dessen Volk Freundschaft mit den
Zwergen pflegte.
Unterstützend an seiner Seite stand Königin Nináel, die jedoch einige
Jahre nach Numeks Tod im Ringkrieg im dritten Zeitalter, Mittelerde
verließ und nach Valinor segelte. Zu Numeks Lebzeiten war er in tiefer
Dankbarkeit mit seiner Pflegfamilie verbunden und gedachte stets voller
Ehrfurcht und Trauer seinem Bruder Kulak, sowie seinen treuen Freunden
Steppenreiter und Seregthalion.
ENDE
nach oben |