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Fanfiction || Vanwa Leryamar - Am Anfang | Vanwa Leryamar

 

Der Kampf der zwei Flammen
FanFic von Tobias Martin frei nach den Geschichten von J.R.R. Tolkien.

Gandalf hatte jeglichen Halt verloren, er stürzte seinem Feind hinterher in die bodenlosen Tiefen von Khazad-dûm. Es war ein schier endloses Fallen, geradenwegs auf den Boden der Welt zu, den niemand zuvor gesehen hatte. Kein Zwerg hatte je in diesen Tiefen der Welt nach Reichtümern gegraben, und weder Sauron, noch irgendwer sonst in Mittelerde wusste um das, was dort unten in den ältesten Abgründen des Nebelgebirges schlummern mochte. Gandalf richtete seinen Blick nach unten in Richtung seines endlosen Sturzes, insofern es an diesen Orten und in diesem rasenden Fall noch eine Richtung gab.
Von fern sah er ein schwaches, rotes Leuchten, das sich fast ebenso rasch wie er selbst in den Abgrund bewegte und dem er langsam näher kam. Das Feuer des Balrogs war keineswegs erloschen. Gandalf wusste, dass dieser Kampf noch nicht ausgestanden war; der Feuerdämon war gestürzt, keineswegs jedoch war er bezwungen.
Doch in geringerer Entfernung als er die Flammen des Balrogs ausmachte, sahen seine Augen etwas anderes aufleuchten und in der ewigen Dunkelheit glimmen.
Es war ein schwaches, kaltes Licht, wenngleich es auch ungeheure Kraft ausstrahlte und rasch näher kam. Es war Glamdring, dass ihm aus der Hand geglitten war, als das Balrog ihn mit seiner Feuerpeitsche in den Abgrund gezogen hatte, und dessen Klinge jetzt matt in der Dunkelheit schimmerte. Gandalf hatte es nun fast erreicht und streckte im Fallen seine Hand nach ihm aus. Er bekam den Griff des Schwertes zu fassen und umklammerten ihn fest. Das rasende Feuer unter ihm fiel langsamer in den Abgrund, denn das Balrog schlug etliche Mal gegen Felsvorsprünge und wurde von den Wänden des Gebirges hin- und her geschmettert. Gandalf hingegen fiel rasch und mit der Klinge seines Schwertes voran, seinem Feind immer näher rückend. Bald verspürte er eine große Hitze und wurde unter sich den Umrissen des Balrogs gewahr, das er nun beinahe eingeholt hatte.
Er tauchte in ein Meer von Flammen ein, und plötzlich erfuhr er einen gewaltigen Ruck, der ihm beinahe ein weiteres Mal sein Schwert entrissen hätte. Doch seine Hand hielt den Griff fest, obgleich er nun wild umhergeschleudert wurde. Er war auf den Rücken des Balrogs geprallt, doch im selben Moment war dieses erneut gegen den Rand des ewigen Gebirgsschlundes gestoßen und jäh herumgewirbelt worden.
Der Zauberer hatte beinahe den Halt verloren und sich mit eisernem Willen festgehalten, so dass er nun im Nacken der Kreatur saß. Er hieb mit seinem Schwert auf seinen Gegner ein, und das kalte Feuer der alten Elbenklinge brannte sich tief in die flammende Hülle des Schattenwesens ein. Wieder wirbelte das Balrog herum, nun aufgeschreckt durch den Schmerz der ihm im Rücken saß. Ein gewaltiger Arm schlug nach Gandalf, jedoch parierte er den Schlag und hieb erneut auf seinen Gegner ein.

Der Arm griff und schlug verzweifelt in der Dunkelheit herum und fegte den Zauberer mit einem wuchtigen Schlag vom Rücken seines Gegners hinfort. Doch Gandalf ließ sich erneut auf den Rücken des Dämonen fallen, bereit, ihn weiter mit dem Schwert zu schmerzen, dass dieser offensichtlich fürchtete. Doch die Gelegenheit dazu wurde ihm für den Augenblick verwehrt. Zum Schlag ausholend sah er in der Tiefe etwas anderes aufleuchten. Ein weiteres Feuer, oder, wie es ihm schien, etwas, dass das Feuer spiegelte und auf dass sie ihr freier Fall rasch zuführte. Die Wasser in den Tiefen der Welt waren älter als die Meere und tiefer, klarer als jeder Bergkristall und kälter als das ewige Eis. Die Wasseroberfläche raste näher und näher. Gandalf stieß sich vom Rücken seines Gegners ab, als sie beide, letztendlich am Ende ihres Falles angekommen, in die kalten Wasser eintauchten. Jegliches Licht war jäh erloschen, jedes Geräusch erstorben.

Sengte noch eben eine bestialische Hitze die Haut und den Mantel des Zauberers, so war er nun von einer Eiseskälte umfangen, die ihm den Atem nahm. Er widerstand dem Schmerz, und tauchte, noch immer sein Schwert umklammernd, zur Oberfläche.
Das Ufer war nur gut fünfzig Fuß entfernt und er hatte es rasch erreicht. Die Dunkelheit war nicht so vollkommen, wie sie es an diesem Ort hätte sein müssen. Ob es das ferne Licht der Sonne war, dass durch ewige Tunnel einen Weg in die Tiefen der Welt gefunden hatte, oder ob es gar das Gestein selbst war, das ein schwaches Licht abgab, vermochte Gandalf nicht zu erkennen. Seine Augen begannen sich in der Dunkelheit zurechtzufinden, in der jeder Sterbliche blind gewesen wäre. Er befand sich in einer großen Grotte, in deren Mitte ein gewaltiger See lag, zu allen Seiten von steinigen Ufern begrenzt.
Es war ihm nicht vergönnt zu verschnaufen oder über seine Lage nachzudenken, denn er spürte wie das Wasser vor ihm zu brodeln begann. An der selben Stelle an welcher er dem See entstiegen war, erhob sich nun ein gewaltiger Schatten, der begann, auf ihn zu zu kriechen, kaum dass er das Ufer betreten hatte. Sein Feind war noch zugegen, wenngleich sein Feuer nun erloschen war. Das Balrog hatte seine Beschaffenheit durch den Sturz in den eisigen See gänzlich verändert. Der Arm, der nun nach Gandalf griff, war kalt und schleimig, wie ein überdimensionaler, gewaltiger Wurm von unsäglicher Kraft.
Doch der Zauberer war rasch auf den Beinen; er tauchte unter dem ersten Schlag des Armes hinweg, fuhr blitzartig herum und hieb mit seinem Schwert auf die triefende, gewaltige Gestalt ein, die daraufhin strauchelte und zurücktaumelte.

Gandalf rief ihm entgegen: „Mich kannst du nicht schrecken. Morgoths letzte Flamme ist erloschen! Dies ist Glamdring! Eine Klinge aus der vergessenen Zeit, geschmiedet von Händen, die deinesgleichen nicht fürchteten!“ Die Stimme des Zauberers hallte laut und bedrohlich in der dunklen Grotte, und das Schwert in seiner erhobenen Hand glomm fahl. Das Balrog stand einen Augenblick lang völlig ohne Regung da, drehte sich dann herum und floh in die Dunkelheit. Gandalf setze ihm nach, einerseits entschlossen, diese Kreatur zu erschlagen, gleichsam in der Gewissheit, dass sie, sofern sie einen Weg aus den zeitlosen Tiefen kannte, seine einzige Hoffnung war, jemals wieder das Licht der Welt zu erblicken. Er rannte dem Wesen nach und glaubte zu erkennen dass sich in einer Entfernung von vielleicht zweihundert Fuß eine Öffnung in der gegenüberliegenden Felswand auftat, auf die es zustürmte. Er sollte sich nicht getäuscht haben; seinem fliehenden Feind auf den Fersen tauchte er nun kurz hinter diesem in eine noch viel dichtere Dunkelheit ein.

Ein Tunnel, gegraben von Lebewesen, die niemand mehr kennt, in einer Zeit der sich niemand mehr entsinnt, führte in die Felswand hinein, welche den unterirdischen See säumte. Die Dunkelheit im Inneren des Tunnels schien zuerst noch weit drückender und finsterer als jene welche in der Grotte geherrscht hatte, doch auch hier vermochten seine Augen bald hier, bald dort ein schwaches Glimmen auszumachen. Auch gab sein Schwert nun wieder ein fahles, doch beständiges Leuchten ab, welches seinen Augen genügte, um dem Weg zu folgen und seinem Feind hinterher zusetzen, welcher auch anfangs von gewaltiger Dunkelheit geschlagen worden war und nur langsam vorangekommen war.

Der Tunnel führte steil aufwärts, und mit jedem Schritt fiel das Atmen leichter, so dass Gandalf seinen Schritt bald beschleunigte und dem fliehenden Schatten nun wieder näher rückte. Stunden um Stunden folgte der Zauberer dem erloschenen Dämonen dicht hinterdrein, immer höher und höher führte sie der vielfach gewundene Tunnel im inneren des Gebirges hinauf. An einer Stelle brach der große Tunnel jäh ab, jedoch führte ein kleinerer zur Seite hin weiter. Gandalf sah, wie das Balrog sich durch den Durchgang zwängte, wobei es mit seinem gewaltigen Rücken und seinen Schwingen große Felsstücke aus der oberen Wand des Durchganges riss. Der Felsvorsprung über dem Eingang des kleinen Tunnels barst und mehrere Brocken schwarzen Gesteins fielen krachend und polternd vor Gandalf auf den Weg, welcher noch immer steil bergan führte. Gandalf setzte über die Trümmer des Türbogens hinweg und betrat ebenfalls in den kleinen Seitentunnel. Nach ein mehreren hundert Fuß tat sich eine Felsgrotte auf, deren Mitte eine gewaltige Wendeltreppe entsprang. Er hatte erwartet, seinem Feind nun erneut gegenüberzustehen und nun wiederum einen erbittertes Gefecht durchstehen zu müssen. Doch das Balrog hatte den Schmerz, den ihm die Elbenklinge zugefügt hatte, nicht vergessen und fürchtete sie noch, zumal ihre entsetzliche Kraft durch Gandalfs Hand eine noch viel größere Macht erhielt. Beim Betreten der Grotte hatte es unverzüglich damit begonnen, die ehernen Stufen zu betreten und dem Lauf der großen Treppe in die Höhe zu folgen. Gandalf sah die Schattengestalt nun hoch oben über seinem Kopf die gewaltige Steinspirale hinaufeilen und setzte ihr augenblicklich nach. Ganz gleich, wie schnell er hinaufeilte, ganz gleich, wie lange die Jagd nun schon dauern mochte, die Stufen schienen kein Ende zu nehmen.

Als führten sie hinaus in die äußere Leere der Welt, wanden sie sich Meile um Meile durch die Grundfesten des Gebirges in schwindelnde Höhen. Tausend mal tausend Stufen mochten nun schon erklommen sein, als in der Höhe ein strahlend helles Licht auszumachen war. Zunächst war es nur ein kleiner Punkt, einem adamantenen Juwel gleich, das in einer dunklen Höhle glimmt; doch bald wurde es größer und erhellte die letzten tausend Fuß auf dem Weg nach oben in einer Weise, die keinen Zweifel daran ließ, dass dies das Licht der Sonne war. Und siehe! Die Treppe nahm ein Ende, und Gandalf sah den vorauseilenden Schatten mit einem Mal durch eine Öffnung entschwinden. Sie waren nach einer Tage andauernden Jagd in den Höhen des Gebirges angekommen, und hier endete die lange Treppe in einer großen Felsöffnung, aus der das Balrog nun entstiegen war. Gandalf eilte die letzten Stufen hinauf und trat nun ebenfalls ins Freie hinaus. Er fand sich auf einem Felsplateau wieder, rund und groß, an einer Seite von der Wand des Berges begrenzt, in welcher sich die Tür zur endlosen Treppe befand.
So weit das Auge blickte war rundherum nichts zu sehen als Gipfel über Gipfel, das Nebelgebirge streckte sich ausgedehnt und schier endlos nach allen Seiten zum Horizont hin. Doch kaum hatte Gandalf seinen Blick in die Ferne gerichtet, erhob sich neben ihm ein großer Schatten. Das Balrog kam heran und richtete sich zur vollen Größe auf. Weit überragte es den Zauberer, und als es die gewaltigen Schwingen auf seinem Rücken spreizte, ging es komplett von neuem in Flammen auf. Geblendet taumelte Gandalf mehrere Schritte zurück. Er hatte sich getäuscht; Morgoths letzte Flamme war nicht erloschen, sein garstiges Feuer war nicht durch Wasser zu bändigen. Das Balrog stand nun vor Gandalf, und als es Arme und Flügel weit gespreizt hatte, loderten die Flammen um es herum blendend hell auf. Es beugte seinen gehörnten Kopf zu ihm hinunter und riss seinen Schlund weit auf, Flammen stoben von seinen Nüstern. Für einen Moment standen beide Kontrahenten sich gegenüber, ohne jede Regung. Nur das Feuer im Rücken des Dämonen loderte wild und verzehrend. Der Kampf, der einst auf der Brücke von Khazad-dûm begonnen hatte, nahm nun hier, auf dem Dach des großen Gebirges seinen Lauf. Erneut flammte ein rot glühendes Schwert in der Mitte der schwarzen Gestalt auf, und ihr grosser Arm erhob sich, um es auf ihren Gegner niederzuschmettern. Glamdring erwiderte den Hieb, und beide Schwerter prallten voneinander ab. Von der Wucht zurückgeworfen, prallte Gandalf mit dem Rücken gegen die schwarze Felswand und war für den Augenblick wie benommen von gewaltigem Schmerz. Im Nu war das Balrog über ihm und holte zu einem zweiten Hieb aus. Trotz der Erschöpfung und der großen Schmerzen rollte Gandalf sich zur Seite als die Klinge herunterfuhr, sie traf mit all ihrer sengenden Kraft den Felsen und Funken stoben auf, als das schwarze Gestein zerbarst.
Das Balrog hielt inne, während der Zauberer sich wieder aufstellte. Entkräftet und mit schmerzverzerrtem Gesicht hieb er auf den Arm seines Feindes ein, welchem daraufhin sein Schwert entglitt. Wieder und wieder hieb er nach dem Arm, und die schwarze Gestalt zog ihn ein jedes Mal rasch zur Seite. Doch mehrere Male war der Zauberer schneller und brannte mit behänden Schwertstreichen glühende Wunden in die Hülle des Feuerwesen. Zusehends wurde nun sein Gegenüber schwächer und taumelte rückwärts an den Rand der Felsplatte. Gandalf setzte ihm hinterher. Als er in der Mitte der Platte stand, machte das Balrog noch einen letzten Satz auf ihn zu, doch mit der ganzen Kraft seines Willens hielt Gandalf Glamdring nach vorne und rammte es dem nahenden Feuer in die Leibesmitte. Helle Funken stoben auf, Gandalfs Klinge brannte sich knisternd in den Leib der großen Gestalt ein, deren Flammen gleichsam erloschen. Mit großen Schritten kämpfte sich Gandalf voran, seinen Gegner zum Rand der Felsplatte treibend und Glamdring immer tiefer in dessen Leib hineinstossend. Als die Kämpfer den Rand erreicht hatten, kippte die große Gestalt hinten über und stürzte hinab. Gandalf warf sich nach hinten, um nicht mitgerissen zu werden und um sein Schwert aus dem fallenden Leib reißen zu können. Hinterrücks fiel er in die Überreste des geschmolzenen und beschmutzen Schnees. Noch einmal wälzte er sich herum und kroch mit letzter Kraft bäuchlings zum Rand der Felsebene. Er schaute hinab und sah die tote Hülle des Feindes, den er nun letztendlich niedergeworfen hatte, auf einer schneebedeckten schroffen Felswand gute fünfzig Fuß unter ihm liegen. Reglos lag der schwarzen Schatten nun da, und keine Flamme umgab ihn mehr. Gandalf hatte gesiegt. Morgoths Diener war erschlagen, seine letzte Flamme erloschen. Doch was war dies für ein Trost hier auf den verbrannten Felsen unter dem Dach der Welt? Erschöpft schleppte Gandalf sich wieder in die Mitte der Felsplatte und blieb dort im schmutzigen Schnee liegen. Sein Schwert Glamdring lag neben ihm, die Ränder der Klinge waren schartig und schwarz. Er war müde, jeglicher Kraft beraubt, vom Feuer seines letzten Gegners versengt. Der Schmerz peinigte ihn, und als ein kalter Wind begann um die Bergspitzen zu pfeifen, schloss er die Augen und es wurde still auf den höchsten Gipfeln des Nebelgebirges.

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„Olórin, Olórin!“ Gandalf schlug die Augen auf, konnte jedoch nichts sehen.
Wieder hörte er von fern Stimmen, die nach ihm zu rufen schienen: “Olórin, Olórin, willkommen!“ Er hielt inne und lauschte in die Dunkelheit hinaus. Olórin, das war sein Name gewesen vor tausenden von Jahren, auf der anderen Seite des großen Meeres.
In Valinor hatte er ihn getragen und ihn nicht mehr vernommen, seitdem er nach Mittelerde gegangen war. Wo mochte er nun sein und wer mochte ihn nun bei diesem Namen rufen? Gandalf besann sich und erinnerte sich vage daran, dass er einen schrecklichen Fluch erweckt hatte, dem er sich im Kampf hatte stellen müssen. Morgoths furchtbarer Diener hatte ihn herausgefordert. Bei diesem Gedanken begannen seine Wunden zu schmerzen und für einen kurzen Augenblick stockte ihm der Atem. War er etwa in die äußere Leere verbannt worden und nun Morgoth selbst ausgeliefert? War er es gar, der gerade nach ihm gerufen hatte?
Wieder vernahm Gandalf die Stimmen, doch nun schienen sie näher. Eine der Stimmen sprach nun zu ihm herab, und obgleich von dieser Stimme eine ungeheure Macht auszugehen schien, die selbst über Gandalf weit erhaben war, war sie doch gütig und keinesfalls bedrohlich: “Olórin, wir heißen dich willkommen in der Heimat deiner Jugend! Du brauchst dich nicht zu fürchten, keiner deiner Feinde kann dich hier erreichen.“ Während die Stimme sprach, wurde es in der Umgebung heller, ein Licht begann sich auszubreiten und bald erblickte Gandalf um sich herum ein weites Land voller prächtiger Wälder und glitzernder Flüsse. In weiter Ferne erhob sich ein majestätisches Gebirge über das Land. Alles war bald von einem hellen, friedlichen Licht erhellt. Gandalf fühlte sich augenblicklich an das Land Lothlórien erinnert, doch war alles hier noch weitaus größer, schöner und reiner als im goldenen Wald.

Er war tatsächlich dort angelangt, von wo er einst zu seiner Reise nach Mittelerde los gesandt worden war. Um ihn herum erstreckten sich die grenzenlosen Wälder und Auen Valinors. Doch sogleich senkte sich erneut Dunkelheit um ihn, und eine große Müdigkeit stieg in ihm auf. Er versuchte, dagegen anzukämpfen, sank jedoch, ohne dass er daran etwas zu ändern vermochte, erneut in tiefen Schlaf. Klarer als in einem Traum begannen erneut eine mächtige, doch gütige Stimme zu ihm zu sprechen: “Es tut mir leid, dass ich dich sogleich wieder in den Schlaf geschickt habe, Olórin. Doch darfst du dich nicht allzu sehr an der unvergänglichen Schönheit Valinors erfreuen - noch nicht. Denn dann werden dein Herz und deine Augen nichts anderes mehr erblicken wollen. Du hast in Mittelerde Großes vollbracht, doch Großes verlangt es erneut, um den Untergang der sterblichen Lande zu verhindern. Nur du kannst nun noch die zweite Dunkelheit abwenden. Du alleine, Olórin, kannst die freien Völker der Sterblichen vor dem endgültigen Niedergang bewahren. Man braucht dich dort, man hofft auf deine Rückkehr und man benötigt deinen Beistand. Du wirst noch einmal zurückkehren, um das, was du einst begonnen hast, zu Ende zu führen.“ Es war die Stimme von Manwë, die zu Gandalf sprach. Dieser jedoch fürchtete sich und sprach zu Manwë: “O Oberster der Valar. Warum willst du mich erneut dem Schmerz aussetzen und mich in mein sicheres Verderben senden? Sieh doch, was noch von Gandalf übrig ist; ein alter Mann in einem grauen, zerfetzen Lumpengewand, von zahlreichen Wunden versehrt...“

Doch Manwë sprach: “Wenn du in Mittelerde ankommst, wird dein Gewand weiß sein, du wirst einen neuen Stab in deiner Hand halten und dein Körper wird keine Spur einer Wunde aufweisen. Ich sende keinen meiner Schützlinge in das sichere Verderben. Ich schicke dich nicht zurück, um Schmerzen zu erleiden, sondern um deinen Auftrag zu erfüllen. Du bist Saurons Feind, und selbst er wird Gandalf den Weißen fürchten! Nicht mehr lange, mein Freund, nicht mehr lange wirst du die Schmerzen und Leiden der sterblichen Lande ertragen müssen. Du kannst dazu beitragen, dass der Krieg ein rasches und gutes Ende nehmen wird. Dann wirst du ein letztes Mal zu uns zurückkehren und auf ewig in den unsterblichen Landen verweilen. Doch gehe nun zuerst zu den Sterblichen zurück, die dich dringend brauchen und auf dich warten. Der Schatten liegt schon über ihren Landen! Gehe und treibe ihn zurück! Gehe und suche Curumo auf und breche seinen Stab. Er ist ein Verräter, der seine Macht dem dunklen Herrscher zur Verfügung gestellt hat. Die Macht der Valar darf nicht für Schrecken und Verderben gebraucht werden. Breche seinen Stab! Du wirst die Kraft dazu haben. Vertraue mir, Olórin, wenn du dort bist, werden dich deine Freunde empfangen und deine Feinde werden dich fürchten! Lasse sie nicht länger warten. Meine Gunst wird dich auf deinem Weg geleiten. Gehe nun!“ Manwës Stimme rückte in weite Ferne, während er seine letzten Worte sprach. Als sie ganz verstummt war, fiel Gandalf von Neuem in einen tiefen Schlaf.

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Als Gandalf auf dem verschneiten Gipfel wieder zur Besinnung kam, schien die Sonne auf sein Gesicht. Er blinzelte zunächst und schlug dann die Augen auf. Vor ihm im Schnee lag ein weißer Stab mit einer verzierten Spitze, von deren Inneren ein weißes Leuchten ausging. Er griff nach ihm und richtete sich zunächst mühsam daran auf. Als er sich umblickte, kehrte die Kraft in seine Glieder zurück und er fühlte sich von einer neuen, großen Macht beseelt. Er fühlte keinerlei Schmerzen alter Wunden mehr und schaute an sich herunter. Tatsächlich war er in ein weißes, glänzendes Gewand gekleidet, dass nun regelrecht in der Sonne zu leuchten begann. Er schaute auf das Nebelgebirge hinab und sah von fern Gwaihir, den Fürsten des Windes heranfliegen. Er, der ihn schon zuvor gerettet und getragen hatte, war gekommen, um ihn, Gandalf den Weißen, vom Gebirge herabzutragen, herab in den Krieg der Menschen gegen Sauron. So kehrte nun der Maia Olórin auf dem Rücken des großen Adlers ein letztes Mal zurück nach Mittelerde, um seine Aufgabe zu erfüllen und die grosse Dunkelheit abzuwenden. Manwës Mühen sollten nicht vergebens gewesen sein...


Erläuterungen:

Balrogs
Die Balrogs waren ursprünglich Maiar, die im Dienste von Melkor (Morgoth) standen. Balrogs waren weitaus größer als Menschen und vermochten sich in Flammen zu kleiden. Im ersten Zeitalter schickte Morgoth ganze Heere von ihnen in die Kriege gegen die Reiche der Elben. Das Balrog von Moria, das von Gandalf erschlagen wurde, war vermutlich das letzte in Mittelerde.

Glamdring
Gandalfs Schwert. Laut Aussage von Elrond im ersten Zeitalter geschmiedet, soll es einem Elbenfürsten von Gondolin gehört haben.

Morgoth
Ursprünglich der Vala Melkor. Nutzte die ihm gegebene Macht jedoch nur zu Vernichtung und Verderben. Wurde von den anderen Valar in die äußere Leere verbannt und darf nicht mehr als einer der ihren genannt werden. Hatte jedoch noch weiterhin Einfluss in Mittelerde durch seine Diener, beispielsweise das Balrog von Moria oder den Maia Sauron.

Valinor
Die unterblichen Lande auf der anderen Seite des trennenden Meeres und Heim der Valar. Die Elben, die Mittelerde verlassen, reisen alle über das Meer nach Valinor, welches für Sterbliche unerreichbar ist. Die beiden Halblinge Bilbo und Frodo Beutlin waren die einzigen Sterblichen, die je nach Valinor gekommen sind. Dies war ihnen ermöglicht worden, da sie den Ring der Macht lange getragen hatten.

Olórin
Name des Maia, der in Gestalt eines alten Mannes nach Mittelerde ging. Dort war unter anderem unter dem Namen Gandalf bekannt und den freien Völkern ein willkommener Gast und treuer Freund. Mit seiner Hilfe behaupteten die Menschen sich am Ende des dritten Zeitalters gegen die Macht von Sauron.

Manwë
Oberster der Valar, die Olórin nach seinem vermeintlichen Tod auf dem Nebelgebirge noch einmal nach Mittelerde zurücksandten, um Sauron Einhalt zu gebieten.

Curumo
Ein anderer der Maiar, der gemeinsam mit Olórin nach Mittelerde ging. Dort nannte man ihn Saruman. Er verfiel jedoch der Verlockung der Macht, die von Sauron ausging und stellte diesem seine Macht zur Verfügung. Gandalf der Weiße suchte ihn in Isengard auf und nahm ihm seine Macht, indem er dessen Stab zerbrach.

©Tobias Martin 2003 (tobias.martin@t-online.de)

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