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Die Entführung im Auenland
Eine Fortsetzung von Éowyn aus der Zeit nach dem Ringkrieg.

 
Elftes Kapitel - Die Rückkehr

Nach drei Tagen überquerten sie die Alte Furt. Nun ließen sie sich mit ihrer Reise viel Zeit, obwohl der Winter drängte und sie befürchteten, den Caradhras nun verschneit vorzufinden, aber darauf mussten sie es ankommen lassen. Einige weitere Tage später erreichten sie dann schließlich das Nebelgebirge und machten sich an den Aufstieg zum Hohen Paß. Tatsächlich war es so, wie sie befürchtet hatten: Er war hoch verschneit und sie brauchten lange, um voranzukommen. Einige Male mussten sie in der Eiseskälte übernachten und Gandalf musste bei dem feuchten Holz nachhelfen, um es zu entflammen.
Sam wurde von Aragorn getragen, der außerdem noch sein Pferd führte. Ebenso nahmen sich die anderen Menschen und Gandalf der in ihrer Obhut befindlichen Hobbits an, welche nur unter größten Schwierigkeiten allein hätten vorankommen können.
Nach anstrengenden Stunden konnten sie die Berge endlich wieder verlassen und waren alle sehr erleichtert. Zwar war das Wetter zum Glück nicht schlecht gewesen, doch die schon vorhandenen Schneemassen reichten, um sie lange aufzuhalten.
Aragorn ließ sich in aller Ausführlichkeit über die vielfältigen Geschehnisse im Auenland unterrichten, die die vier Hobbits beschäftigten und erfuhr noch einiges über den Kampf gegen Saruman und seine Schergen. Außerdem erzählte er dann selbst vom Leben in Gondor und es wurden sehr unterhaltsame Stunden, über die sie schließlich Bruchtal erreichten und dort heißhungrig und frierend einkehrten.
Arwen erwartete sie und war überglücklich, Sam und Frodo unversehrt zu sehen. Sogleich betrachtete sie Frodo aufmerksam und den Elbenstein.
"Ich hoffe, er hat dir Kraft geschenkt in dunklen Stunden!" sagte sie sanft und Frodo nickte.
"Sam hat ihm einiges zu verdanken", sagte er dann und sie alle traten ins Haus, wo es unmittelbar nach ihrer Ankunft ein großes Essen gab. Nachdem sie es beendet hatten, verschwanden sogleich die Hobbits und legten sich schlafen. Die Menschen taten es ihnen bald gleich.
Nur Aragorn und Gandalf saßen noch lange beisammen und redeten über wichtige Dinge.
"War Kankra die letzte noch existierende Instanz des Bösen in Mittelerde? Um die Orks einmal nicht mit einzubeziehen, ich rede nur von etwas Bösem in Kankras Größenordnung, denn sie ist ja nun um einiges schlimmer als jede Horde Orks gewesen!"
Nach langem nachdenklichem Zögern antwortete Gandalf: "Nun, genau da liegt das Problem. Vielleicht weißt du, dass es einen Ursprung des Bösen gibt. Morgoth heißt er und wurde ausgestoßen aus unseren Sphären, in die finstere Leere jenseits von Arda, wo wir leben, von den mächtigen Valar. Das sind nun alles Namen, die dir nicht viel sagen werden und dir vielleicht dadurch einen Eindruck der Größenordnung vermitteln, in der sich das abspielt.
Morgoth war nicht immer schlecht und hieß zuerst auch Melkor. Doch er wurde machtgierig und wollte alles unterwerfen, was ihm in gewisser Hinsicht auch gelang. Er säte Böses auf Arda, das es vorher nicht gab, aber nun immer in irgendeiner Form geben wird. Er verbündete sich mit einer Riesenspinne namens Ungolianth, von der Kankra in direkter Linie abstammt, doch Ungolianth war schlimmer als Kankra es je hätte sein können, und genauso sind Kankras Nachkommen weniger gefährlich als sie.
Nun, das alles spielte sich vor einigen Zeitaltern ab und so wurde das Böse in die Welt eingebracht. Melkor bzw. Morgoth setzte Sauron als seinen Stellvertreter ein.
Streichen wir also Morgoth weg, der bis in alle Ewigkeit verbannt ist und bewacht wird. Von ihm wird kaum noch etwas ausgehen, doch was vor seiner Verbannung entstand, existiert noch und wird immer existieren, wenn auch in anderer Form. Bösartigkeit jeder Form.
Gut, also Morgoth zählt nicht mehr und Sauron ist vernichtet, Ungolianth ist längst verschwunden und auch Kankra ist nun tot. Bleiben nur die Orks und die anderen Spinnen, Wölfe und andere Wesen in unserer Größenordnung, mit denen wir es aufnehmen können.
Ansonsten sind da nur noch die Balrogs und einige andere Dämonen, die zwar gefährlich sind, aber sich nie zeigen, wenn man sie nicht dazu herausfordert.
Man kann also sagen, dass tatsächlich nur noch Böses existiert, dass mehr als Kankra in unserer Größenordnung liegt, denn sie war eigentlich zuviel für uns. Aber was jetzt noch übrig ist, kann kontrolliert werden und man kann von einem dauerhaften Frieden in Mittelerde ausgehen, um nun wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren."
Gespannt hatte Aragorn Gandalfs Ausführungen gelauscht und nickte nun.
"Das war schwierig zu verstehen, aber ich habe begriffen, was du meinst, denn du hast meine Frage klar beantwortet. Ich hatte mich gefragt, ob vielleicht noch ein zweiter Sauron existieren könnte, aber da dem nicht so ist..."
"Das elementar Böse, das über alle Maßen gefährlich ist, ist hier nicht mehr existent. Das ist doch eine beruhigende Erkenntnis, was? Du wirst eine ruhige Amtszeit als König verleben, verglichen mit dem, was wir erlebt haben."
Arwen hatte den beiden vom Türrahmen aus aufmerksam zugehört, das bemerkten sie erst jetzt.
"Es ist gut, zu wissen, dass du Recht hast, Gandalf", sagte sie. "Es ist gut, dass die Halblinge sich nun nie mehr um Dinge kümmern müssen, die sie kaum bewältigen können, und doch ist es unglaublich, was sie zu leisten imstande sind. Doch ich denke nicht, dass sie die Tragweite dessen auch nur ansatzweise begriffen haben, worüber ihr euch unterhalten habt. Außer... ja, vielleicht außer Frodo, er ist sehr weitblickend. Sein Onkel war es ebenfalls. Der gute Samweis hat vielleicht auch eine Ahnung, welche Geschicke in Mittelerde maßgeblich sind, aber es ist gut, dass sie sich damit nicht allzu sehr belasten müssen. Für sie ist es gut, wenn sie nun in Frieden in ihre Heimat zurückkehren können und dort ihr Leben leben. Ein glückliches Volk sind sie, das muss man sagen."
Aragorn nickte.
"Welches Wissen über die Zeitalter verbirgt sich in dir, meine Liebste? Du weißt so vieles!"
Arwen setzte sich zu ihnen und stumm blickten sie in den sternenklaren Himmel und bekamen eine leichte Vorstellung dessen, was die wenigsten tatsächlich wussten. Doch die elementaren Mächte waren tatsächlich jenseits ihrer Erlebniswelt und für ihr Leben von keiner Bedeutung, deshalb dachten sie nicht weiter darüber nach. Ebenso hielten es die Hobbits: Sie schliefen tief und fest und ungestört.

Noch einen weiteren erholsamen Tag verlebten alle zusammen in Bruchtal und Sam besuchte sofort seinen treuen Lutz im Stall. Als sie am folgenden Tag dann Richtung Auenland aufbrachen, nahm man die Ponys einfach so mit, ohne ihnen Lasten aufzubürden, denn sonst würden sie die schnelleren Pferde nur aufhalten, von denen dann einige als Lasttiere dienten.
Ein seltsam anmutender Zug von Reitern verließ am Morgen Bruchtal: ein König, gefolgt von einem Zauberer und zwei Menschen, alle vier mit einem Halbling vor sich auf dem Pferd, außerdem eine Elbin und ein großes Gefolge von Menschen.
Für Gandalf war es gut, erfahren zu haben, dass Aragorn sich schnell an sein Dasein als König gewöhnt hatte und endlich den Platz gefunden hatte, an den er gehörte. An Arwens Seite musste das mehr als angenehm sein. Sam freute sich sichtlich darauf, zu seiner Familie zurückzukehren und Frodo ebenso. Bei beiden wuchs die Vorfreude auf Beutelsend. Auch Merry und Pippin wussten genau, wo ihr Zuhause war.
Und er selbst? Er fühlte sich dem Auenland aus einem ihm unbekannten Grunde tief verbunden und er wollte die Suche nach einem Haus für sich umgehend fortsetzen, sobald sie in Hobbingen anlangten.
Was er nie für möglich gehalten hatte, sah er vor sich: Sam hatte die Todesangst erfolgreich und sehr schnell überwunden, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sein Todfeind ihm nicht mehr gefährlich werden konnte. Ebenso war Frodo befreit und, was sich erst später herausstellen würde: Er spürte nie mehr Schmerzen am Jahrestag der Verwundung durch Kankra. Ebenso ließen mit der Zeit die Schmerzen am Jahrestag der Konfrontation mit den Nazgûl nach.
Er würde seinen Frieden finden, der Ringträger, seinen wohlverdienten Frieden. Fast hätte er deswegen Mittelerde verlassen, das ging Gandalf die ganze Zeit im Kopf herum, wie Frodo auf diese Idee hatte kommen können. Natürlich lag es bei einem Hobbit wie ihm nicht allzu fern, dass er an so etwas hatte denken können, doch für Gandalf stand fest, dass Frodos Heim im Auenland und nirgendwo sonst lag. Frodo war nicht Bilbo. Diesem würde es auf seine alten Tage im fernen Westen besser gehen als unter Hobbits.
Gandalf war es zufrieden. Die Tage verstrichen ruhig, nur gestört durch Frost und schlechtes Wetter, doch als sie erst einmal die Letzte Brücke passiert hatten, besserte sich auch das vorübergehend.
Tage und Nächte verstrichen voll vergnüglichem Beisammensein, denn die Hobbits kosteten Aragorns Anwesenheit voll aus. Sie hatten ihn liebgewonnen, als er mit ihnen als Streicher durch die Lande gezogen war, die sie auch jetzt durchquerten. Er war ihnen ein wertvoller Freund geworden und auch wenn sein Auftreten als König Elessar, wie er gemeinhin genannt wurde, anders war, so war er für sie immer der gute alte Freund, der nicht schlechter und nicht besser war als sie selbst.
So wunderte es niemanden, als Aragorn scherzhaft darum bat, man möge ihm einen abgetragenen Umhang reichen, den er über seine ansehnliche Königsrobe zog und diese darunter dann vollständig versteckte. Außerdem gehörte dazu ein wenig Wasser in die Haare, um sie strähnig zu machen, und schon sahen die Hobbits Streicher vor sich, wie sie ihn damals kennengelernt hatten.
Vergnügt grinste Aragorn. Er wollte sich mit den Einwohnern Bruchtals einen Scherz erlauben. Sie würden nie glauben, dass ihr Streicher König in Gondor war, unter dessen Schutz sie standen, wenn sie es nicht selbst sehen würden. Und ob sie den König als Streicher identifizieren könnten ohne Hilfe, schien sehr fragwürdig. Frodo bat darum, mitgehen zu dürfen, und das tat er dann schließlich auch.

Sie durchschritten das Stadttor und niemand kümmerte sich um sie. Das allein bereitete Aragorn schon einen Riesenspaß. Für Frodo war das eine bisher an ihm ungekannte Seite. Schien er nun als König den Humor entdeckt zu haben? Eine Entwicklung, die zu begrüßen war.
Sie beobachteten aufmerksam jeden, der ihren Weg kreuzte, aber nichts geschah. Also kehrten sie bald im Gasthaus ein, um Butterblüm zu überraschen. Denn der würde vielleicht den vermißten Herrn Unterberg wiedererkennen, und plötzlich dachte Aragorn sich den passenden Plan dazu aus. Er würde erzählen, dass er als König Gondors den entführten Halbling gerettet hätte.
Frodo konnte sich das Grinsen gerade noch verkneifen, als sie die Gaststube betraten, an diesem Tag mit frostigen Temperaturen gut besucht. Sie gesellten sich zum Ausschank dazu und Frodo wartete, dass Butterblüm reagierte. Es dauerte eine Weile, in der der Wirt ihn immer wieder aufmerksam betrachtete, und schließlich fragte er Frodo dann nach seinem Namen
"Beutlin heiße ich, für einige hier auch Unterberg", antwortete er todernst und Butterblüm erschrak.
"Na wenn das nicht der vermißte Hobbit ist! Sag, wo ist denn der Herr Gamdschie? Lebt der auch noch?"
"Ja, natürlich, der kommt nach." Das stimmte sogar. "Nun, habt ihr einen Augenblick, um einer kuriosen Geschichte zu lauschen?"
Butterblüm nickte und wieder einmal horchten alle Neugierigen unter den Gästen auf, also bis auf zwei alle Anwesenden.
"Ihr seht den König Gondors vor euch, der mich vor dem Tode entrissen hat."
Lautes Gelächter war die Folge von Frodos Behauptung und Butterblüm grinste wohlwollend.
"Soso, der gute Streicher also ist ein König? Von Gondor, sagtest du? Ich habe davon gehört, dass dort nun wieder einer herrschen soll, aber den nennt man Elbenstein, und so sieht der hier mir nicht aus, tut mir leid."
Alle lachten wiederum und Frodo spielte das Spiel mit.
"Warum denn nicht? Nur, weil ihr einige Gerüchte über Streicher gehört habt? Ich werde euch etwas erzählen. Streicher, das ist der Mann, der jahrelang im Exil gelebt hat und euch als Waldläufer bekannt ist, so wahr er hier sitzt. Doch später ist er seiner Berufung gefolgt und hat den Thron bestiegen."
"Stimmt das?" fragte ein Hobbit, der neben ihnen saß. "Und warum hat er dann Lumpen an?"
"Gute Frage", erwiderte Aragorn. "Vielleicht, um nicht erkannt zu werden von Strolchen in der Wildnis, wäre doch möglich!"
Niemand glaubte ihm ein Wort. Zu sehr glaubten sie alle an die Gerüchte, die man sich über Waldläufer anhören konnte.
"Ich sage euch, was er für mich getan hat, mutiger als ihr alle hier: Er ist den Orks, bei denen ich und der Herr Gamdschie uns befanden, bis in den Düsterwald gefolgt, wo die Spinnen sind. Vor diesen hat er uns gerettet, indem er ihnen einfach den Kopf abhieb! Ich finde, das ist eines Liedes wert, oder?"
Kichern war die Antwort. Streicher? Nie im Leben, das dachten sie sich. Dabei machte Aragorn auch noch ein todernstes Gesicht, was sie alle zur Genüge kannten, und lieferte ein perfektes Schauspiel ab.
"Er ist bei Elben aufgewachsen und mit einer von ihnen verheiratet, die seinetwegen ihr unsterbliches Dasein aufgegeben hat! Im Ringkrieg hat er Heldentaten vollbracht und kümmert sich dennoch ebenfalls um die Belange kleiner Hobbits wie mir. Ich finde, das ist doch etwas, womit ein guter König sich rühmen kann!"
Einige fragten sich inzwischen, ob vielleicht an der beharrlich aufgetischten Geschichte nicht doch etwas wahres sein konnte, aber das klang alles sehr seltsam und unglaubwürdig für ihre Ohren. Dabei war es die reine Wahrheit.
Schließlich beendete Aragorn den Spaß dann plötzlich, indem er den Umhang abnahm, sich flüchtig durch die Haare fuhr und an sein Schwert Andúril griff. Wortloses Staunen machte sich breit und alle starrten ihn verblüfft an.
"Herr Beutlin, also war alles wahr, was sie uns erzählt haben?"
"So wahr ich hier stehe, ja. Hier steht der König Gondors!"
Im gleichen Augenblick hörten sie Hufgetrappel vor dem Gasthaus und alle drängten hinaus, um das wundersame, bewundernswerte Gefolge betrachten zu können.
Nun begriff auch der letzte, dass sie alle den wirklichen König Gondors vor sich stehen hatten. Doch er und alle, die ihn begleiteten, blieben nur kurz und verkündeten, dass verstärkt Boten und Wachposten in die Gegend geschickt werden sollten, um sämtliche Unholde zu verjagen, die eventuell noch existierten.
Bald verließen alle die Stadt Bruchtal wieder, denn sie konnten an diesem Tag noch einen weiten Weg zurücklegen.
Einige Meilen vor dem Alten Wald schlugen sie ihr Nachtlager auf und am nächsten Tag statteten sie Tom Bombadil einen Besuch ab, der erleichtert Sam und Frodo in die Arme nahm.
Beobachtet wurden sie alle dabei, das entdeckte Gandalf, von Gwaihir, der beruhigt zu seinem Horst im Gebirge zurückkehrte.
Bis zum Abend hatten sie die Brandyweinbrücke überschritten und legten sich zu einer letzten Nachtruhe im Freien, bevor sie Hobbingen erreichen würden. Sam konnte es kaum erwarten, aber auch er brauchte Schlaf und sie legten sich unter Bäume, um dem Schneefall zu entgehen, der sie zum Jahreswechsel hin überraschte. Doch sie waren alle widerstandsfähig und die Menschen waren professionell im Errichten eines wintertauglichen Nachtlagers.

Früh am nächsten Morgen waren die Hobbits bereits auf den Beinen und drängten ihre Mitreisenden zum Aufbruch. Schnell räumte man alles zusammen und war nach einem Frühstück bereit zur letzten Etappe der Reise.
Sie durchquerten Weißfurchen unter vielen neugierigen Blicken, ebenso am Mittag Froschmoorstetten und am Nachmittag erreichten sie bei gemächlichem Tempo schließlich Wasserau, wo viele Hobbits fast ängstlich auf die vielen Menschen reagierten, aber durch den Anblick der Hobbits bei ihnen beruhigt wurden. Viele riefen den Hobbits etwas zu und einige tuschelten miteinander. Andere schrien ganz offen: "Da ist Frodo Beutlin! Er ist wieder zurück und Menschen sind dabei!"
Viele Hobbits folgten den Reisenden bis nach Hobbingen, wo Sam schließlich Aragorn mit seiner Unruhe sogar noch ansteckte. Als sie dem Hofe der Kattuns immer näher rückten und nachher alle Hobbits draußen auf den Straßen waren, sprang Sam vom Pferd und rannte nach zum Hof von Rosies Vater. Gandalf schmunzelte und alle stiegen nun von den Pferden, um den Hobbits nicht allzu groß zu erscheinen. Die meisten Männer reagierten genauso verwundert auf die Hobbits wie diese auf sie. Man sah sich mit gebührendem Respekt und unbändiger Neugier an.
"Rosie! Rosie! Wir sind zurück! Rosie! Alles ist in Ordnung!" schrie Sam und rannte keuchend auf den Hof. Eine Tür öffnete sich und heraus trat Rosie mit Elanor auf dem Arm. Als sie Sam kommen sah, lief sie auf ihn zu und fiel ihm mit einem Stoßseufzer in die Arme.
"Papa ist wieder da!" rief Elanor und freute sich riesig. Schnell waren unzählige Hobbits auf dem Hof versammelt und die Menschen mit ihren Pferden versperrten die ganze Straße. Bevor Aragorn irgendetwas anderes tat, schickte er sie alle auf eine dem Hofe zugehörige Wiese und widmete sich erst dann dem hocherfreuten Wiedersehen.
Gut war nur, dass Rosie noch keine Ahnung hatte, was Sam alles durchgemacht hatte.
Frodo trat hinzu, ebenso Merry und Pippin, und Elanor umarmte Frodo mit den Worten: "Endlich ist Onkel Frodo wieder da! Es war soooo langweilig ohne dich!"
Merry grinste und Aragorn gesellte sich zusammen mit Arwen und Gandalf dazu. So standen sie da alle in einer Runde und Rosie widmete sich nun Frodo.
"Wie geht es dir? Bist du gesund? Bin ich froh, dass du wohlbehalten wieder zurück bist! Und ihr beiden, euch geht es auch gut? Ich bin ja so froh! Aber ihr... Gandalf kenne ich nun noch, aber der Mensch... wer seid Ihr?"
"Liebe Rosie! Es freut mich, endlich die Frau meines guten Freundes Samweis kennenzulernen und seine süße Tochter. Lange habe ich darauf gewartet. Ich bin Aragorn, ich bin der König von Gondor."
Rosie schrak zusammen, aber er sagte nur: "Nein, bekomm keinen Schrecken. Ich war viele Jahre lang in der Gegend als Waldläufer im Exil unterwegs und niemand braucht übertriebene Ehrfurcht zu haben. Ich bin schließlich mit allen vieren befreundet, und ich muss sagen, sie sind begeisterte Abenteurer!"
Zuerst kümmerte Aragorn sich darum, dass seine Männer irgendwo unterkommen konnten. Der Bauer Kattun bot sich sogleich an, seine große Scheune herrichten zu lassen, und dort fanden tatsächlich alle im Heu Platz. Es gefiel ihnen gut dort, es war warm und ihre Pferde wussten sie auf der Wiese nebenan versorgt.
Nachdem dieses Problem gelöst war, gingen alle in die Küche des Bauernhofes und setzten sich zu einem ausführlichen Bericht bei einem Abendessen um den Tisch.
"Wo wart ihr denn so lange?" fragte die kleine Elanor, die auf Sams Schoß saß und neugierig in die Runde blickte.
"Das ist eine lange Geschichte. Den Anfang wirst du wohl noch wissen, aber was dann geschah... es gibt viel zu erzählen!"
Alle zusammen taten sie das dann auch während des Essens und Sam war froh, dass Elanor zwischendurch eingeschlafen war und so den unschönen Teil mit Orks und Spinnen nicht hören musste. Rosie ängstigte sich noch im Nachhinein, doch sie spürte genau, Aragorn war mächtig genug, dass es ihm wenige Schwierigkeiten bereitet hatte, Sam und Frodo aus Todesgefahr zu retten.
Zuguterletzt stand sie auf und umarmte ihn, den König von Gondor, und sagte: "Ich hatte ja keine Ahnung! Doch was du getan hast, werde ich nie vergessen. Und auch alle anderen - wäret ihr nicht gewesen, dann säßen wir jetzt nicht hier und, ich mag gar nicht daran denken, ich hätte Sam nie wiedergesehen... schrecklich!"
So ganz war ihr scheinbar nicht bewußt, wovon gesprochen worden war, aber das war nun auch völlig egal.
Fasziniert zeigte sie sich von Arwen, der Elbin, und sie waren sich sofort sympathisch.
Nach einer langen Zeit des gemütlichen Beisammenseins machten sie sich schließlich auf nach Beutelsend: Sam, Rosie, Elanor, Frodo, Merry und Pippin, aber auch Gandalf und Aragorn. Im dichten Schneetreiben sah Aragorn noch ein letztes Mal an diesem Tage nach seinen Männern, denen es in der großen Scheune gut erging, und folgte dann den anderen.
Für Sam ging ein Traum in Erfüllung: Endlich näherte er sich wieder seinem Heim. Überglücklich betrat er den Flur und Rosie kümmerte sich indes um die Unterbringung der Gäste. Für Gandalf, Arwen und Aragorn, die aufgrund ihrer Größe natürlich nicht in ein Hobbitbett paßten, musste sie sich etwas ausdenken, aber sie war erfinderisch und schließlich sanken beide zufrieden in einem Zimmer in viele weiche Kissen und Decken, wo sie bald darauf einschliefen.
Merry und Pippin taten es ihnen gleich in einem Gästezimmer direkt nebenan. Sam, der seine schlafende Tochter auf den Armen trug, legte sie in ihrem Zimmer sanft ins Bett und deckte sie behutsam zu. Es war so wunderschön für ihn, endlich wieder zu Hause zu sein, dass er erst gar nicht glauben wollte, dass es tatsächlich so war. Frodo stand auf einmal hinter ihm und sagte: "Bist du auch so glücklich? Ich kann das gar nicht in Worten ausdrücken!"
"So geht es mir auch. Ich bin endlich wieder hier. Es kommt mir so vor, als wäre die schreckliche Zeit schon ewig her!"
Frodo nickte undverschwand müde in seinem Zimmer.
Rosie und Sam umarmten sich und sie sagte: "Endlich bist du wieder hier!"
"Das freut mich auch so sehr. Ich habe es lange vermißt."
Sie waren die letzten, die sich schlafen legten an diesem Tag.

Am nächsten Morgen wachte Frodo von Elanors Lachen auf. Sie war mit Pippin in den Garten gegangen und die beiden bauten einen Schneemann. Merry schlich über die Flure, ungeduldig auf die anderen wartend, damit endlich gefrühstückt werden konnte. Frodo gesellte sich zu ihm und sie fanden Rosie und Arwen in der Küche vor, wo sie einen Tee kochten. Sam schlief noch, ebenso Aragorn und Gandalf.
Rosie sah Frodo an und fragte: "Und er ist wirklich der König? Er hat zwar etwas majestätisches an sich, aber er ist wirklich sehr sympathisch!"
Mit einem Lächeln nickte Frodo.
"Wenn wir ihn nicht hätten, ich wüßte nicht, was wäre!"
Sie setzen sich um den Tisch und irgendwann kam Aragorn dann dazu, munter und ausgeruht, auf dem Weg zu seinen Männern. Er berichtete, dass Gandalf ebenfalls wach war und in ihrem Zimmer saß, aber bald kommen würde.
Vorher tauchte noch Sam auf, verschlafen, aber sichtlich zufrieden. Als Aragorn dann zurückkehrte und die beiden aus dem Garten mitbrachte, frühstückten sie endlich.
Es wurde ein sehr vergnüglicher Tag, und das auch für Aragorns Gefolgsleute, die mit den um sie herumlungernden Hobbits Freundschaft schlossen.
Die ganze Zeit ihres Aufenthaltes in Hobbingen wurde unvergeßlich für sie, die sich gut mit den Hobbits standen. Aragorn und Arwen gefiel es gut in Beutelsend und Gandalf erzählte Sams kleiner Tochter viele spannende Geschichte.
Es sah so aus, als hätten Sam und Frodo vergessen, was geschehen war; Merry und Pippin sowieso. Nur in einer Nacht schrak Frodo plötzlich aus einem Alptraum hoch, in dem er geträumt hatte, Sam wäre an seinen Verletzungen gestorben. Doch als er diesen daraufhin beunruhigt weckte, konnte er sich davon überzeugen, dass seine Wunden gut verheilt waren und nie kehrte ein Alptraum des Nachts wieder.
Nach einer Woche verabschiedeten Pippin und Merry sich, die es beide in ihr Heim zurückzog, aber sie kamen zwischendurch noch einmal kurz vorbei, und einen guten Monat später stand bei den Menschen aus Gondor die Rückreise an. Gandalf hatte sich in der Zwischenzeit ein eigenes Heim in der Nähe von Beutelsend eingerichtet und verabschiedete gemeinsam mit den Hobbits Aragorn, Arwen und die Männer im Gefolge. "Ich verspreche euch, wir waren nicht zum letzten Male hier und wir erwarten euch in Gondor. Kommt, wann es euch beliebt. Wir werden immer Freunde sein und euer Land steht unter unserem Schutz! Lebt wohl!" sprach Aragorn zum Abschied und die Menschen ritten davon.
Lange sahen Sam und Frodo ihnen nach und blickten sich dann gegenseitig an.
"Jetzt hat der Alltag uns endgültig wieder. Ich habe mich so sehr nach diesem Frieden gesehnt!" sagte Sam.
"Ich mich auch. Du glaubst nicht, wie froh ich bin, dass die Dinge zum Schluß eine solche Wendung nahmen! Wenn ich dich nicht gehabt hätte, was wäre dann gewesen?" fragte Frodo und sie gingen über den Gartenweg zurück in Richtung Tür.
"Weißt du was? Das ist mir egal. Mich beschäftigt vielmehr ein Gedanke: Für ein Kind ist Beutelsend zu groß. Eines weiß ich: Meinen ersten Sohn nenne ich nach dir!"
"Sam, du bist wunderbar", sagte Frodo und schloß die Tür hinter ihnen beiden.

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