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Der Untergang des Auenlandes
Eine Fortsetzung von Nicolas Duckert nach den Geschichten von J.R.R. Tolkien.

 
Dreizehntes Kapitel - Unerwartete Hilfe

Spät am Abend kamen die erschöpften und verwundeten Krieger in Hobbingen an. Im Dorf brannten viele Feuer und die Frauen und Kinder rannten ihren Männern und Väter entgegen. Viele Kinder und Frauen brachen in Tränen aus, besonders diejenigen, die ihre Geliebten nicht mehr finden konnten. Ein grosses Chaos von Trauer, Schmerz und Elend brach aus und auch Faramir hatte keine Kraft mehr, seine Hobbits zu beruhigen und Ordnung zu schaffen. Wahrscheinlich wäre es so oder so zwecklos gewesen, denn es waren mittlerweile schon so viele Hobbits in Hobbingen, dass man sich keine Übersicht mehr verschaffen konnte.
Als Goldglöckchen ihren blutverschmierten Mann erblickte, rannte sie schluchzend auf ihn zu:
"Wie konnte das alles nur passieren! Ich bin so glücklich, dass du noch lebst! Wo sind denn alle andern Männer?"
Mehr als zusammenhangslose Fragen brachte sie nicht heraus. Faramir nahm sie fest in den Arm und beruhigte sie langsam. Er wollte gleich wissen, wie es mit den Nahrungsvorräten und den Unterkünften aussah. Doch leider musste er hören, dass nun doch die Vorräte abnahmen und schon seit einigen Tagen hätten sie in Hobbingen grösste Probleme mit Unterkünften. Eigentlich brauchte dies Faramir erst gar nicht zu fragen. Denn als er ins Dorf gelangte, sah er die schreckliche Wahrheit: Die Strassen und Häuser waren voller Leute, überall waren Zelte aufgestellt, zitternde Kinder sassen verwirrt an den Häuserwänden, ein fast unerträglicher Lärm drang in die Ohren und eine grosse Hilflosigkeit lag über dem Dorf. Es waren zuviel Hobbits! Es musste etwas geschehen. So waren sie den Ostländer ausgeliefert und wurden nur so überrannt. Die Frauen und Kinder konnten nicht hier bleiben. Es wäre für sie viel zu gefährlich. Doch was konnte man tun? Faramir wusste keine Lösung und musste sich erst ein wenig ausruhen. Goldglöckchen brachte ihn nach Beutelsend, wo er sich auf seine Matratze legte und bald mit vielen anderen Kriegern in seinem Zimmer einschlief.
Draussen umhüllte die kalte, schwarze Nacht die frierenden Hobbits. Die kleinen Feuer vor den Zelten wärmten viele Hobbits, die draussen schlafen mussten. Viele Verwundete konnten vor Schmerzen kaum einnicken und auch viele Kinder schreckten, von Alpträumen gequält, immer wieder aus ihrem unruhigen Schlaf auf. Dennoch kehrte Ruhe über dem Dorf ein und weiche Schneeflocken tanzten langsam vom Himmel herab.

Goldglöckchen weckte ihren Mann früh am Morgen.
"Aufstehen, Faramir! Wir müssen noch vieles erledigen und die Ostländer könnten jeden Augenblick auftauchen."
Goldglöckchen hatte Recht. Er schwang sich aus dem Bett, nahm ein sehr kleines Frühstück zu sich und machte sich auf den Weg nach unten ins Dorf.
Er war sehr erschrocken über die große Zahl an Hobbits, die sich in Hobbingen eingefunden haben. Er hatte niemals damit gerechnet, so viele Leute hier aufnehmen zu müssen. Doch jetzt waren sie hier und es musste ein Weg gefunden werden, sie in Sicherheit zu bringen. Adalgrim würde sicherlich so bald er nur konnte angreifen und dann hätte er wohl auch kein Mitleid mit Frauen und Kindern Diese Gedanken machten Fastred traurig. Wie konnte ein Hobbitherz nur so verdorben sein? Doch darüber konnte er sich jetzt nicht den Kopf zerbrechen. Er musste seine Freunde vom Rat finden. Er brauchte auch nicht lange zu suchen, denn es waren bereits die meisten im Gutshof versammelt. Als er den Raum betrat, blicken ihn alle Augen traurig an und flehten darum, dass dies alles nur ein böser Traum sein möge. Doch Faramir schickte nur einen noch traurigeren Blick zurück und setzte sich auf einen freien Hocker.
Merimac, der Führer aus Wasserau, sagte zu Faramir:
"Wir sind schon seit einiger Zeit hier versammelt und haben folgendes beraten: Wir müssen die Frauen so schnell wie möglich aus dem Dorf bringen. Hier sind sie nicht mehr sicher! Wenn wir ausrechnen, dass Adalgrim auch seine Toten bestatten und noch seine Truppen ordnen muss, könnte er schon morgen wieder auftauchen. Bis dann müssen wir vorbereitet sein."
"Ich hätte da einen Vorschlag," meinte ein schüchterner, junger Hobbit, der im Rat die Stellung seines gefallenen Vaters übernommen hatte. "Wir müssen in den Norden fliehen, zum Schiefertonwald. Es ist der einzige Ort, wo sich so viele Hobbits versammeln könnten."
"Du vergisst, dass wir uns im schlimmsten Winter befinden, den wir je erlebt hatten. Wir könnten nicht lange in diesem Wald überleben. Ausserdem ist er sehr weit weg und die Verwundeten, die Frauen und Kinder müssten eine beschwerliche Reise auf sich nehmen. Ich weiss nicht, ob dies alle überstehen könnten."
"Aber hier bleiben und nur darauf warten, bis der Feind mit dem Grossen Volk über uns herfällt ist auch nicht besser!"
"Der Junge hat Recht!"
Verwirrt blickten die Hobbits zur Tür, von wo die Worte kamen. Voller Erstaunen und Verwunderung blickten sie die große, wunderschöne Gestalt an, die unbeachtet in den Raum eingetreten war und das Geschehen beobachtet hatte. Die Gestalt machte einen Schritt noch vorn, ins Licht, und nun erkannte auch Faramir seinen Freund. Das schöne, helle Gesicht leuchtete auf und die langen, silbernen Haare glänzten. Ja, er war es, Gidauras, der weise Freund von Elanor, Fastred, Faramir und Goldglöckchen, ein Elb.
Faramir fiel beinahe von seinem Hocker, so erstaunt war er. Auch die anderen Hobbits konnten sich kaum fassen, den die meisten von ihnen hörten nur in Sagengeschichten von diesen wunderschönen Geschöpfen.
"Gidauras, was tust du denn hier?" brachte Faramir noch hervor.
"Wir, das heisst meine Freunde und ich, sind eigentlich auf dem Weg nach Mithlond, den Grauen Anfurten. Doch wir spürten den unerträglichen Schmerz und das Elend im Auenland und haben beschlossen, euch Hobbits zu Hilfe zu eilen. Natürlich rechneten wir nicht mit einem Bürgerkrieg, den ihr hier auszutragen scheint. Doch wir wollen euch helfen und haben uns daher in der Nähe ein Lager aufgeschlagen."
Grosse Freude kam bei den Hobbits auf. Hilfe von den Elben! Vielleicht hätten sie dann eine Chance gegen das grosse Volk.
"Ich habe nicht gesagt, dass wir kämpfen werden! Ich habe nur gesagt, dass wir euch helfen. Doch dieser Junge hat vollkommen Recht. Ihr könnt eure Frauen und Kinder nicht hier lassen. Euer Feind wird keine Rücksicht nehmen und wie ich erfahren habe, hat er auch noch Unterstützung vom Grossen Volk, wie ihr es nennt."
"Ja!" sagte jetzt Faramir. "Daher ist es nur fair, wenn ihr mit uns kämpft! Wenn ihr auch in die Schlacht zieht, könnte das Auenland vielleicht noch gerettet werden!"
"Du vergisst, mein Freund, dass die Elben schon vor langer Zeit das Auenland beschützt haben und auch einen Eid abgelegt haben, sie niemals anzugreifen oder nur in ihre Geschichte einzugreifen. Letzteres haben wir höchstwahrscheinlich schon längst getan, wenn auch nicht unbedingt freiwillig; denn als Bilbo aus dem Auenland ging und später auch sein Neffe Frodo, haben auch wir einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass sich die Geschichte auch im Auenland veränderte. Denn damit haben all die kleinen Streitigkeiten im Auenland angefangen, und das Vertrauen in eure Artgenossen ist gesunken. Auch euer Feind Adalgrim hat diesen wunden Punkt entdeckt und so die Ostländer gegen die Beutlins und damit gegen die Westländer richten können. Doch wir werden unseren zweiten heiligen Eid nicht brechen und niemals einen Hobbit töten."
Diese Rede war klar und deutlich und enttäuscht blicken die Hobbits zu Boden.
"Ihr werdet uns aber helfen, unsere Frauen und Kinder in Sicherheit zu bringen?"
"Ja, dass werden wir. Wie es der Junge schon gesagt hat: Der Schiefertonwald ist der beste Ort und auch wir haben uns dort niedergelassen. Wir werden uns auch um eure Verwundeten kümmern. Aber wir müssen uns beeilen. Der Feind ist schon viel näher, als ihr vermutet."
Dies sagte er mit sehr strenger Miene und den Hobbits wurde klar, dass sie sofort handeln mussten. Sie stürzten aus dem Gutshof und verteilten sich im Dorf.

Überall wurde der Befehl erteilt, die Frauen und Kinder müssten ihre nötigsten Sachen zusammenpacken und sich so schnell wie möglich auf den Weg in den Schiefertonwald machen. Eine große Hektik brach aus, die Hobbits rannten umher und von oben sah das Dorf wie ein großer Ameisenhaufen aus. Leider ging alles nicht so schnell voran, wie es sich Faramir erwünscht hatte. Die letzten Nahrungsvorräte, die Zelte und die Wagen mussten gerecht aufgeteilt werden, damit den Kriegern in Hobbingen noch genügend Material zur Verfügung stand. Faramir und die Hobbits aus dem Rat wollten Hobbingen so lange es ging verteidigen, denn nur die Flucht zu ergreifen war nicht sinnvoll. Auch war ihr Stolz zu groß und sie wollten Beutelsend den Ostländern nicht kampflos überlassen.
Die Zeit verstrich schnell, zu schnell für die Westländer. Auch am Nachmittag standen noch nicht alle Wagen bereit und Faramir drängte unermüdlich weiter. Gidauras schlug vor, die erste Hälfte des Zuges loszuschicken, was auch sofort angeordnet wurde. Überhaupt konnten die Hobbits froh sein, dass sie die Hilfe von Gidauras erhalten hatten. Ohne ihn wären die Hobbits noch am nächsten Tag nicht in den Wald aufgebrochen, denn überall, wo er sich befand, schien eine unerklärliche Kraft in die Körper der frierenden Hobbits zu dringen. Sie schöpften wieder Mut und die Arbeit ging schneller voran.
Die ersten Frauen und Kinder brachen am späten Nachmittag auf, begleiten von einigen Männern. Faramir musste sich nun wieder um seine Krieger kümmern, denn die Verteidigungslinie war sehr schwach. Er besetzte die kleine Mauer vor Hobbingen und ließ das Tor gut verschließen. Leider war dieses Tor lange nicht so gut, wie jenes in Wasserau und auch die Mauer konnte niemals so lange standhalten. Um Beutelsend stellte er eine starke Linie von gut ausgerüsteten Kriegern, denn dort war das Ziel von Adalgrim. Langsam kam eine Ordnung auf und Faramir gewann wieder etwas den Überblick. Er konnte etwas aufatmen, denn die ersten Hobbits waren schon auf dem Weg zu den Elben im Schiefertonwald, die andere Hälfte würde gleich folgen und seine Männer standen kampfbereit auf ihren Plätzen.

Fortsetzung folgt...

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