
Neun Fragen an neun Webmaster,
oder
Hinter den Kulissen der großen HdR-Homepages.
Im Rahmen dieser
Interviewreihe hatte Christina, die Webmistress von
Elronds Haus, 9
Webmaster der bekanntesten Tolkien- und Herr-der-Ringe-Seiten im Netz
vorgestellt. U.a. hat sie mich auch um ein Interview mit 9 Fragen gebeten.
Was dabei rauskam seht ihr unten ;).
1. Beschreibe bitte in ein paar Sätzen deine Seite und was man dort als
Besucher geboten kriegt.
Der wohl größte
Fantasy-Autor aller Zeiten, J.R.R. Tolkien, hat mit seinen Hauptwerken
"Der Herr der Ringe", "Der Kleine Hobbit", und dem posthum von seinem Sohn
Christopher veröffentlichten Werk "Das Silmarillion" einen Mythos um seine
erdachte Welt Arda, insbesondere Mittelerde geschaffen – in einer
ungeheuren Größe und Detailverliebtheit; er setzte damit den Grundstein
für das Fantasy-Genre.
Inspiriert von seiner Welt und auf der Suche nach Antworten auf die vielen
Fragen, die sich beim Lesen seiner Bücher ergab, habe ich versucht,
Informationen zum Autor selbst und seiner Welt zusammenzutragen,
aufzubereiten, und auf einer Homepage als eine Art Nachschlagewerk zur
Verfügung zu stellen.
Man findet dort Infos über Tolkiens Leben, ein Kompendium seiner
veröffentlichten Werke mit mehr oder weniger kurzen Inhaltsangaben, viele
Details zu der Welt Mittelerde und zu den Protagonisten, und Bilder, von
Tolkiens Welt inspiriert und beeinflusst.
Aufgrund der immer wiederkehrenden Fragen zum Thema eröffnete im Mai 2002
das Tolkienboard, das als Plattform für Diskussionen aller Art rund um das
Thema Tolkien, und auch so Manches darüber hinaus, dienen sollte. Ich
hätte nie gedacht, dass der Zulauf und das Interesse so groß und die
Fragen so tiefgründig beantwortet würden. Mittlerweile ist daraus eine
richtig kleine Community daraus entstanden.
2. Dein "erstes Mal" - Wie bist du zum Herr der Ringe gekommen?
Alles fing an mit dem
Besuch eines Freundes. Ich sah in seinem Bücherregal ein dreibändiges Buch
in einem schrecklich leuchtenden grün stehen und fragte ihn, was es denn
sei. Er selbst nahm die Bücher und drückte sie mir in die Hand, und sagte
schlicht und ergreifend: "Lies es einfach und sieh selbst!" – Heute weiß
ich, wieso er so hämisch gegrinst hatte, als er mir die Ringtrilogie in
die Hand drückte…das war im Sommer 1984.
Ich wusste damals nicht, dass es noch mehr Bücher gibt, die sich mit der
Welt aus HdR beschäftigen, bis meine ältere Schwester mir von der
Geschichte des kleinen Hobbits, die sie so süß fand, erzählte; sie sprach
von Gandalf, Bilbo und Zwergen. Daraufhin habe ich es mir natürlich
ausgeliehen und verschlungen. Da die Handlung im Hobbit vor HdR spielt,
suchte ich nach mehr Material und fand in der Stadtbücherei Tolkiens
Biographie und das Silmarillion…und so ging das immer weiter; ich
beschäftigte mich mit den Zusammenhängen, versuchte zwischen den Zeilen zu
lesen, und so griff ein Zahnrad ins andere – wie man sieht bin ich immer
noch mittendrin in der Materie ;-)
3. Warum behandelt deine Homepage gerade dieses Thema, beziehungsweise:
Was war deine Motivation, eine HdR-Seite ins Leben zu rufen?
Weil ich mir nie alles
merken konnte machte ich mir Notizen und sammelte Informationen und
brachte sie in Zusammenhang; ich dachte mir: Wenn ich mir schon die Arbeit
mache alles zu sammeln, können andere Leute, die sich dafür interessieren,
auch etwas davon haben. Und welches Medium eignet sich besser zur
Verbreitung von Informationen wie das Internet!?
Ich hatte durch ein Projekt in meiner Ausbildung 1998 die Grundlagen des
Umgangs mit dem Homepageeditor "MS Frontpage" gelernt und hatte damals
eine kleine Site über mich und meine Hobbies (ich glaube so fängt jeder
Webmaster mal an :-) ) gebastelt.
Durch experimentieren mit den Programmen kam mir irgendwann die Idee, die
gesammelten Infos in eine eigene Homepage zu packen und auf den Server zu
laden, sehr gespannt auf die Reaktionen der Besucher.
Daraus entstand die TolkienWelt, die Ende November 2001 ins Netz ging, und
bis heute um mehr als das Doppelte gewachsen ist und sich bereits in
seinem dritten Design zeigt – Das Vierte ist momentan in Arbeit.
4. Wie sieht dein typischer Tagesablauf als vielbeschäftigter Webmaster
aus? Oder anders gefragt: - wie viel Zeit musst du investieren
und wofür?
Gibt es so was wie
Internet-Junkies? Falls ja kann man mich sicher dazu zählen.
Ehrlich gesagt hänge ich viel zu viel im Netz, bin also fast täglich
online. Da ich am Morgen meinem geregelten Arbeitsablauf nachgehen muss,
komme ich erst am Abend an meinen PC. Dadurch, dass die Seite ständig
erweitert wird gibt's immer etwas zu tun, ansonsten feile ich am Design
oder bringe gewachsene Bereiche unter einen Hut und versuche, das Ganze
übersichtlicher zu gestalten. Wer Webmaster ist weiß, dass eine Homepage
NIE fertig ist, es gibt immer was zu tun.
Im letzten halben Jahr hat das Tolkienboard der TolkienWelt den Rang
abgelaufen, was den prozentualen Anteil der investierten Zeit angeht.
Mittlerweile versuche ich aber, mich wieder mehr der TW zu widmen.
Alles in allem verbringe ich werktags ca. 2 Std. aktiv im Netz, wobei die
meiste Zeit für die eigene Homepage draufgeht; wenn ich am Wochenende mal
zu Hause bin und Zeit habe, sind es wesentlich mehr Stunden. Am liebsten
arbeite ich spät Abends und in der Nacht, da kommen mir die besten Ideen
;-)
5. Was bedeuten Tolkiens
Werke heute für dich - Entspannung? Spannung? In eine andere Welt
abtauchen zu können? oder anderes?
Mit dieser Frage habe ich
schon gerechnet! Es ist fast nicht zu beschreiben bzw. in Worte zu fassen.
Salopp gesagt bilden Tolkiens Werke eine Welt, in die man abtauchen und
seine reale Umwelt vergessen kann. Es macht Spaß, seine Bücher immer und
immer wieder zu lesen und festzustellen, dass es immer wieder etwas Neues
zu entdecken gibt – wie eine nie endende Abenteuerreise. Tolkien
beschreibt vieles sehr genau, andere Zusammenhänge werden nur kurz
angerissen oder angedeutet, und ich selbst kann die fehlenden Puzzleteile
hineininterpretieren (v.a. bei den Geschichten des Silmarillions).
Mindestens genauso faszinierend wie seine Welt ist für mich der ist Mensch
Tolkien und sein Leben. Nachdem ich seine Biographie von Carpenter und
seine gesammelten Briefe gelesen hatte merkte ich erst, was hinter den
ganzen Geschichten steckt. Tolkien hatte Abschnitte seines Lebens in seine
Werke projiziert und verarbeitet. Er war außerdem ein wahres Sprachgenie,
was man nicht zuletzt daran merkt, dass er selbst Sprachen erfunden hat,
komplett mir Grammatik, Aussprache etc. Er widmete sich in seiner freien
Zeit sein Leben lang mit seiner Welt und ließ sie sich entwickeln.
Ich weiß nicht ob das hierhin gehört: Als kleines Kind habe ich mal
gehört, dass man in der Schule eingetrichtert bekommt, alle Probleme nach
vorgegebenem Schema F zu lösen und so seine Fantasie beim Lösen von
Problemen und Konflikten mehr und mehr verliert. Tolkien war für mich
derjenige, der diesem Trend entgegengewirkt hat.
6. Wenn du für einen Tag
eine Person in Mittelerde sein könntest, welche wäre das, und aus welchem
Grund?
Das habe ich mich vor
längerer Zeit auch schon gefragt. Auf jeden Fall ist es jemand auf der
Seite der Guten, bzw. jemand, der versucht Gutes zu tun. Mein Favorit ist
ganz klar Fëanor…mich faszinierte immer seine Willensstärke bzw. seinen
Jähzorn, wenn es um die Wiederbeschaffung der Silmaril ging. Eigentlich
ist er verantwortlich für viele Tote der Elbischen Rasse, sei es im Kampf
untereinander oder gegen den Erzfeind Melkor. Viele deklarieren deswegen
Fëanor als Bösewicht, weil er eben für so viel Leid verantwortlich ist.
Aber die Vielschichtigkeit seines Charakters ist der Grund, wieso ich ihn
als erstes wählen würde, könnte ich einen Tag auf Arda verbringen.
7. Der Hype um den
Herr-der-Ringe - geht er dir auf die Nerven? Oder ist es gerade toll, dass
Tolkien nun wieder so viel Aufmerksamkeit bekommt?
Man muss bedenken, dass
der Hype v.a. durch den Film ausgelöst wird, es gibt unzählige Webseiten,
die sich mit den Darstellern, dem Film, Merchandising, etc. beschäftigen.
Der kleinste Teil wird durch den Film auf Tolkiens Bücher, geschweige denn
auf Tolkien selbst aufmerksam. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel,
und ich will hier sicherlich nicht alle über einen Kamm scheren.
Ich selbst bin nur der Meinung, dass der Hype weniger Fans um Tolkien, als
vielmehr Fans zum Film und zu den Darstellern hervorgebracht hat. Aber das
kann auch an der Vermarktung des Ganzen durch die Massenmedien liegen: Ich
habe in der ganzen Zeit nur ganz wenige Berichte über Tolkiens Leben
gesehen, was meine Meinung oben bestätigt. Das Ziel ist oft nur noch
Verkaufen, nicht Informieren.
8. Die Verfilmung - bist du
zufrieden damit?
Sehr sogar, denn ich bin
mit der Einstellung ins Kino, einen guten Fantasystreifen zu sehen. Ich
habe den Film nie mit der Buchvorlage verglichen, weil es einfach
unmöglich ist, dieses Werk 1:1 zu verfilmen. Peter Jackson hat meiner
Meinung nach sehr viel draus gemacht und auf viele kleine Details
geachtet, siehe Kostüme, Schmuck, Waffen, Drehorte, Kulissen und
Schauspieler; er hat sich und sein Team sehr gut vorbereitet, und es kommt
der Trilogie sicherlich zugute, dass sie an einem Stück gedreht wurde.
Ich finde, dass PJ Großes geleistet, und mit der Verfilmung der
HdR-Trilogie ein Fantasy-Epos geschaffen hat, das ihm so schnell keiner
nachmacht.
9. Und zuletzt - Wenn du
einen Brief oder eine Mail an Tolkien schreiben könntest, was würdest du
ihm sagen / ihn fragen?
Da fasse ich mich mal
kurz:
Ich würde ihn fragen, wieso er die Erschaffung Ardas durch die Ainur und
die Entwicklung der Kinder Ilúvatars, sprich das Silmarillion, nicht
veröffentlicht hat. Aber am allermeisten würde mich die Antwort auf die
Frage interessieren: Wer bzw. was ist Tom Bombadil?
nach oben |